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Bericht vom 2. Nationalen CRPS Symposium 2019 in Kassel

ctwo 2019 kassel

Fast zwei Wochen sind vergangen seit dem CTWO. Heute will ich euch über das CRPS Symposium2019 in Kassel berichten.

Es war eine gelungene Veranstaltung. Mit knapp 70 Besuchern verdoppelten wir die Anzahl vom letzten Jahr und zeigt uns, wie wichtig dieses Symposium ist.

Dr. Böger und Dr. Bosse von der Klinik für Schmerzmedizin, Manuelle Therapie und Naturheilverfahren an den DRK-Kliniken Nordhessen hielten die ersten Vorträge. Dr. Böger informierte uns über die Therapie des CRPS mit Cannabis. Da das Medikament für CRPS noch keine Zulassung hat, handelt es sich um einen off-Label-use. Es gibt bislang keine aussagekräftigen Studien zum Gebrauch von Cannabis bei CRPS. In der Klinik wird es immer wieder mit Erfolg getestet. Cannabis wirkt bei einem Teil der Patienten gut, vor allem auch gegen die Spastik. Die Nebenwirkungsrate ist sehr gering. In Kassel werden keine Blüten verordnet, da Dr. Böger die fest dosierten Arzneiformen wie Tabletten, Spray, usw. favorisiert.

Leider gibt es dann noch die Hürde der Krankenkasse. Bevor wir das Cannabis verordnet bekommen können, muss ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden. Dieser muss vom verordnenden Arzt ausgestellt werden und von der KK genehmigt werden.

Im nächsten Vortrag erklärte Dr. Bosse äußerst anschaulich was in unserem Gehirn geschieht, wenn wir unter chronischen Schmerzen leiden.

Der Schmerz führt zu Veränderungen im Gehirn, genau da wo die jeweilige Extremität abgebildet ist.

Diese Veränderungen können im MRT sichtbar gemacht werden. Z. B. kann man sehen, dass bei der Hand die Regionen für Daumen und kleiner Finger nicht mehr deutlich differenzierbar sind. Beim Neglect verschwindet die Region im Gehirn nahezu vollständig.

Die gute Nachricht ist, dass diese Veränderungen reversibel sind und die einzelnen Regionen mit viel Übung wieder hergestellt werden können. Das nennt man Neuroplastizität. Spiegeltherapie, aber auch Perfetti  und PEPT sind dafür geeignete Methoden.

Nach einer kleinen Pause erläuterten uns Frau Erhard und Frau Göbel vom Pflegestützpunkt Kassel, wo wir im Bedarfsfall Hilfe und Unterstützung bekommen können. Da ging es um Barriere freie Bäder, andere behindertengerechte Umbaumaßnahmen, Organisation der Pflege, was für Ansprüche jemand hat, Hilfsmittelbeschaffung, Unterstützung bei Streitigkeiten mit Ämtern, usw., usw.. Die Damen legen sich auch mal mit ner Krankenkasse an.

Solche Pflegestützpunkte gibt es flächendeckend in Deutschland. In den Rathäusern weiß man wo sich der nächstgelegene Stützpunkt befindet.

Den Schluss macht Sebastiaan van Dijk, Physiotherapeut und Osteopath, der einen Vortrag über PEPT hielt.

PEPT steht für Pain Exposure Physical Therapie und kommt ursprünglich aus den Niederlanden.

Einer  der Hauptpunkte in der CRPS-Leitlinie ist es die Funktionalität der Extremität so gut als möglich zu erhalten. PEPT ist ein Weg dahin.

Wenn wir schon  „dem Schmerz aussetzen“ hören, fängt die Skepsis an. Noch mehr Schmerz???

Es geht aber nicht darum uns Schmerz zuzufügen, sondern dass unser Hirn daran erinnert wird: da ist noch eine Hand, ein Fuß….. Die Pfade von Hirn zur Hand, die wir für jede Bewegung brauchen, gehen so gar nicht erst vergessen.

Wahr ist, dass die Behandlung anfangs nicht angenehm ist, aber die Erfolge schnell zu bemerken sind. Selbst nach 10 Jahren CRPS wie bei mir. Herr van Dijk nannte uns einige Fälle und stellte uns eine junge Frau vor, die er behandelt hat. Sie ist vollständig wieder im Leben, arbeitet und es geht ihr gut.

Genau wie alle anderen Maßnahmen funktioniert PEPT auch am besten, wenn das CRPS frisch diagnostiziert wurde. Bei schon länger vorhandenem CRPS schafft man in den meisten Fällen eine Verbesserung.

Das 3. Nationale CRPS Symposium wird am 2. November 2020 in Kassel stattfinden.

Weitere Informationen unter crps-symposium.de

Administrator

42 Jahre, CRPS linker Fuß, austherapiert, seit dem 17.3.2015 linksseitig Unterschenkelamputiert, seit 5/2016 CRPS rechter Fuß, am 11.11.2016 rechtsseitig Unterschenkelamputiert und schmerzarm