Alternative Medizin

Dieses Thema enthält 0 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Administrator vor 3 Jahre, 10 Monate.

Ansicht von 1 Beitrag (von insgesamt 1)
  • Autor
    Beiträge
  • #1626

    Administrator
    Keymaster

    Alternativmedizin

    Unter Alternativmedizin versteht man Methoden und Behandlungen, welche nicht von der wissenschaftsbasierten Medizin (auch evidenzbasierte Medizin[1] oder evidence based medicine, EBM) angewendet werden. Vor allem von Befürwortern werden auch die Begriffe Komplementärmedizin, Erfahrungsmedizin und Integrative Medizin benutzt. Im englischen Sprachraum, aber zunehmend auch bei uns, werden komplementär- und alternativmedizinische Verfahren als CAM bezeichnet. Daneben ist aus dem Umfeld der anthroposophischen Medizin der Begriff Cognition-based Medicine (CBM) vorgeschlagen worden.[2]

    Allgemeines

    Das US-amerikanische National Center for Complementary and Alternative Medicine NCCAM definiert komplementär- und alternativmedizinische Therapien als Behandlungen, die anstatt („alternativ“) oder zusätzlich („komplementär“) zu einer konventionellen, etablierten Therapie durchgeführt werden.[3] Eine Behandlung gilt dann als etabliert, wenn die klinische Wirksamkeit in prospektiven, randomisierten Studien zweifelsfrei belegt ist oder eine biologische Rationale die Behandlung als sinnvoll erscheinen lässt. Eine englisch-australische Forschergruppe zeigte 2009 mit einem Rechenmodell, dass merkwürdigerweise gerade wenig oder nicht wirksame Methoden die Eigenschaft haben, sich schnell zu verbreiten.[4][5]

    Edzard Ernst, ehemaliger Professor für Komplementärmedizin an der Universität von Exeter in England argumentierte, dass die Bezeichnung „Complementary and Alternative Medicine“(„CAM“) ein fast sinnloser Überbegriff ist und dass Unterscheidungen zwischen diesen Modalitäten gemacht werden müssten. Alle Behandlungen, ob „etabliert“ oder „alternativ“, müssen denselben Standards der wissenschaftlichen Methodik entsprechen. Die „Evidenzbasierte Medizin“ ist ein Ideal, das weder von der etablierten noch von der alternativen Medizin erreicht wurde. Ernst bezeichnet die Beweislage für viele alternative Techniken als schwach, nichtexistent oder negativ, gibt aber an, dass für etwa 20 Behandlungsmethoden Belege vorliegen, speziell für manche Kräuter und Akupunktur – was aber nicht bedeutet, dass die Behandlungsmethoden etabliert sind, speziell nicht weltweit.[6][7]

    Die Begriffe Alternativmedizin und Komplementärmedizin sind daher beschönigend, da sie in der Regel keine wirklichen Alternativen anbieten, sondern nicht oder weniger wirksame Methoden. Das gilt auch für die Bezeichnung Erfahrungsmedizin, mit der die Berufung auf anekdotische Heilerfolge statt auf solide Wirkungsnachweise als positive Eigenschaft dargestellt werden soll.[8] Fast alle alternativmedizinischen Verfahren sind der Pseudomedizin zuzurechnen. In der Regel beruhen die Konzepte der Alternativ- und Komplementärmedizin auf einem Axiom, eine selbstverständliche Wahrheit, die keinen Beweis benötigt.[9]

    Anziehungskraft der Alternativmedizin

    Für die Beliebtheit von Angeboten außerhalb der wissenschaftsbasierten Medizin wurden einige Faktoren identifiziert. Menschen, die alternative Behandlungen suchten, hatten oft extreme Erlebnisse, die ihre Weltsicht veränderten, setzen sich für die Umwelt und Feminismus ein und zeigen Interesse an Spiritualität und persönlichem geistigem Wachstum. Eine Studie stellte fest, dass Unzufriedenheit mit konventioneller Medizin kein entscheidender Faktor für die Verwendung von Alternativmedizin ist. Nur 4,4 % der befragten Personen erklärten, sich primär auf alternative Therapien zu verlassen. Die Studie folgerte, dass Menschen die alternative Gesundheitsversorgung besser zu ihren eigenen Werten, Glauben und philosophischer Einstellung zu Gesundheit und Leben passend finden.[10] Dennoch werden Argumente wie „Heilpraktiker nehmen sich mehr Zeit für den Patienten als Ärzte“ häufig gehört.

    Enttäuschung und Misstrauen gegenüber konventioneller Medizin können ebenfalls eine Rolle spielen. Viele Patienten und Kunden finden auch Gefallen an einer mehr oder weniger deutlichen Kritik an „der Schulmedizin“ oder auch „der Pharmaindustrie“, die im alternativmedizinischen Umfeld nicht selten ist. Oft wird auch eine anti-wissenschaftliche Einstellung mit New Age-Mystizismus verknüpft. Energisches Marketing und extravagante Behauptungen erzeugen falsche Hoffnungen. Wenn Menschen krank werden, ist jedes Heilversprechen verführend.[11]

    Eine Attraktivität kann sich auch aus den typischen Merkmalen pseudomedizinischer Verfahren ergeben, beispielsweise schlichte, anschauliche Erklärungen zum Wirkmechanismus, das Versprechen einer“ganzheitlichen“ oder „natürlichen“ Behandlung, ferner das angebliche Fehlen von Nebenwirkungen. Nebenwirkungen gibt es jedoch auch bei alternativmedizinischen Verfahren.[12]

    Verschiedenen Autoren zufolge könne der typische Patient oder Kunde von Alternativmedizin durch folgende Eigenschaften charakterisiert werden:[10] jung (30 bis 50 Jahre)[13], höhere Ausbildung, schlechtere Gesundheit, tendiert dazu politisch „links“ oder „grün“ zu sein[14], relativ hohes Einkommen, weiblich, eine „ganzheitliche“ Einstellung zur Gesundheit und leidet an Angstgefühlen, Rückenschmerzen, chronischen Schmerzen oder Harnwegsproblemen.

    Markt
    Forschung
    Kritik

    Wer heilt hat Recht
    Anwender alternativmedizinischer Methoden berufen sich bei der Frage nach einer Wirksamkeit häufig lediglich auf ihre eigene Erfahrung, die sich auf die selektive Auswahl bestimmter eigener Wahrnehmungen in der Vergangenheit bezieht. Derartige retrospektive Betrachtungen haben jedoch keinen beweisenden Charakter. Deshalb ist auch die gelegentlich zu hörende Argumentation Wer heilt hat Recht irreführend, da ihr fast immer eine Verwechslung von Korrelation mit Kausalität aufgrund anekdotischer Erlebnisse oder Berichte zugrunde liegt. Anders ausgedrückt, die Erkrankung könnte statt durch homöopathische Globuli auch genauso gut „von selbst“ verschwunden sein.

    Der Begriff einer postulierten und unscharf formulierten „Ganzheitlichkeit“ (oft verbunden mit „von Körper, Geist und Seele“) bleibt innerhalb der Alternativmedizin ein reines Versprechen, das aufgrund des zeitlichen oder finanziellen Bedarfs auch nur schwer umzusetzen wäre.

    Gefahrenpotential
    Die Alternativmedizin birgt Risiken:[30][31][32]:

    Ablehnung effektiver Diagnostik oder Therapie zugunsten pseudomedizinischer Methoden ohne Wirksamkeitsnachweis, mit der Folge einer Verschleppung einer Krankheit oder dem Erscheinen vermeidbarer Symptome
    Fehldiagnosen aufgrund mangelhafter medizinischer Ausbildung von in der Alternativmedizin Tätigen
    Verschlechterung der Therapieaussichten durch vergebliche pseudomedizinische Bemühungen
    Entstehung von Schuldgefühlen bei Misserfolg, sich selbst oder Angehörigen gegenüber
    Psychische oder finanzielle Ausbeutung aufgrund eines Heilangebots, das sektenartige Strukturen aufweist
    Entstehung einer psychischen Abhängigkeit bis hin zur Heilersucht
    Todesfälle oder körperliche Schäden durch nicht geeignete Verfahren
    In einer im Dezember 2010 veröffentlichten Studie des Royal Children’s Hospital in Melbourne wurden 39 Fälle untersucht, bei denen Kinder nach alternativmedizinischen Behandlungen zu Schaden gekommen waren. In 30 Fällen konnte ein Zusammenhang zwischen der Schädigung der Patienten und dem Einsatz alternativmedizinischen Therapieansätzen beziehungsweise der Verweigerung der von den Ärzten verordneten Medikamente hergestellt werden. Vier der Kinder starben, weil die Eltern medizinische Therapien verweigerten: Ein acht Monate alter unterernährter Säugling erlag einem septischen Schock, nachdem er seit dem 3. Lebensmonat wegen einer vermeintlichen Verstopfung auf eine „naturopathische“ Reismilchdiät gesetzt worden war. Ein 10 Monate alter Säugling starb ebenfalls an einem septischen Schock, nachdem er wegen eines chronischen Ekzems auf eine restriktive Diät gesetzt worden war. Ein weiteres Kind starb nach mehrfachen epileptischen Anfällen, nachdem die Eltern die antiepileptischen Medikamente aus Angst vor Nebenwirkungen abgesetzt und das Kind mit alternativmedizinischen Mittelchen behandelt hatten. Das vierte Kind erlitt tödliche Blutungen, weil die Eltern die Therapie mit Gerinnungsfaktoren zugunsten einer komplementärmedizinischen Behandlung verweigert hatten.[33][34]

    Sinn alternativmedizinischer Forschung
    Kritisiert werden auch Untersuchungen pseudomedizinischer Verfahren.[35] Nach Ansicht einiger Kritiker sei die Idee, physikalische Unmöglichkeiten (wie die Homöopathie) mit empirischen Methoden zu untersuchen, nicht offen und wissenschaftlich, sondern stelle im Grunde einen Missbrauch wissenschaftlicher Methoden dar.[36] Es wurde das Konzept der „Scientabilität“ vorgeschlagen, das besagt, dass medizinische Maßnahmen nur dann in klinischen Studien untersucht werden sollen, wenn sie sicheren Erkenntnissen nicht widerspricht.[37][38] Die Homöopathie (wie auch andere pseudomedizinische Verfahren) erfüllt diese Voraussetzung nicht, sondern stehen im Widerspruch zu wohlbestätigtem Wissen. Selbst ein wiederholtes positives Ergebnis eines klinischen Tests wäre kein Beleg, dass die Grundannahmen der Homöopathie, z.B. dass eine extreme Verdünnung („Potenzierung“) eines Mittels dessen Wirksamkeit erhöhe, zutreffen.

    Einschüchterungsversuche und Aktivitäten gegen Kritiker

    Beispiel: Anonyme Morddrohungen gegen Personen, die als Autoren bei Psiram vermutet werden. Die behaupteten Falschmeldungen werden nicht genannt, die Rubrik „Unzufrieden mit einem Psiram-Artikel?“ im Forum nicht benutzt. Tatsächlich entdeckte Fehler in Artikeln werden im Artikel Errata gelistet. (Bild: Screenshot einer typischen Morddrohung im Psiram-Blog der IP IP 178.162.217.136 / dgaslerj@hotmail.com vom 26. Februar 2015 12:24)
    Die Stiftung Warentest wollte ein Buch mit kritischer Analyse und Bewertung von Natur- und Alternativmedizin herausgeben. Die Zeitschrift Stern nutzte die Gelegenheit für eine Vorveröffentlichung: Krista Federspiel, eine der beiden Autorinnen, und ihr Kollege Hans Weiss boten an, eine „Wallraffiade“ durch die Szene zu unternehmen und sich von je zehn Naturheilern eine Diagnose erstellen zu lassen. Der Stern garantierte eine großzügige Bezahlung für die Reportage und forderte einen zweiten Teil an, in dem von Alternativmethoden Geschädigte namentlich vorgestellt werden sollten. Zum Nachweis, dass die Journalisten tatsächlich bei den Naturheilern waren, hielt ein Fotograf das Geschehen fest. Jeder besuchte Heiler dichtete den Probanden mehrere Krankheiten an: Insgesamt wurden 38 verschiedene Krankheiten sowie eine Unzahl von Störungen und Allergien attestiert und mehr als 130 Medikamente verschrieben. Als die Reportage „Wunderheiler und Krankbeter“ im Stern 49/1991 zu lesen war, löste die darin erhobene Kritik so viel Empörung und massive Proteste von Heilpraktikern aus, dass die Redaktion aus Angst vor Leserverlust die Veröffentlichung des zweiten Teils scheute und ihn schließlich ganz absagte. Man gab die Rechte an die Autoren zurück.[39]

    In einer Sendung des ZDF vom 5. September 2007 mit dem Titel „Heilen mit dem Nichts?“ berichtete der Journalist Joachim Bublath über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Homöopathie (unter anderem über eine Analyse in The Lancet[40]), die eine etwaige Wirksamkeit dieser umstrittenen Methode gegenüber Placebos in Frage stellte. Die Folge waren Aufrufe von Homöopathie-Befürwortern zum spamming und das ZDF reagierte, indem es die Webseiten mit den zitierten Lancet-Angaben löschte.[41][42]

    Im Februar 2015 bedrohte ein anonymer Impfgegner (dgaslerj@hotmail.com / IP 178.162.217.136) die Herausgeber des Blogs „Ruhrbarone“ mit der Ermordung durch einen Auftragskiller, weil er sie für die Verantwortlichen des Projekts Psiram hielt. Die Drohung lautete:

    Herr XXX XXX und Herr XXX XXX Sie haben einen Menschen, resp. mindestens 1 Menschenleben auf dem Gewissen.
    Wir forderen Sie daher auf, dies Webseite, welche laufend strafrechtlich relevante Denunzierungen vornimmt und sich des Rufmordes bedient, vom Netz zu nehmen.
    Dies ist eine erste und die letzte Warnung. Es bleibt ansonsten nur der bezahlte Auftragsmord zum Schutze vor solchen Informationsseiten, die verheerende Falschmeldungen verbreitet.
    Dies ist eine äusserst ernste Angelegenheit.
    Die Blogger informierten daraufhin ihre Leser, die Polizei eingeschaltet zu haben.[43]

    Literatur

    Deutsch

    Simon Singh, Edzard Ernst: Gesund ohne Pillen – was kann die Alternativmedizin? Hanser, 2009
    M. Shermer und Lee Traynor: Heilungsversprechen – Alternativmedizin zwischen Versuch und Irrtum. Skeptisches Jahrbuch III, Alibri, 2004, ISBN 3-932710-86-X
    Christian Ullmann: Fakten über die „andere Medizin“. Augsburg, Foitzick, 2006
    Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik. Beck Verlag, 2003
    Uwe Heyll: Wasser, Fasten, Luft und Licht. Die Geschichte der Naturheilkunde in Deutschland. Campus Verlag 2006
    Colin Goldner: Alternative Diagnose- und Therapieverfahren. Eine kritische Bestandsaufnahme. Alibri 2008 ISBN-10: 3865690432
    Krista Federspiel, I. Lackinger-Karger: Kursbuch Seele. Köln, Kiepenheuer & Witsch 1996 (544 S.)
    B.L. Beyerstein: Warum falsche Therapien zu wirken scheinen. In: Shermer/Traynor (s. o.)
    Bernd Harder: Stimmt es, dass Recht hat, wer heilt? Skeptiker 2/07, S.74-75
    Theodor Much: Der veräppelte Patient? Alternativmedizin zwischen (Aber-)Glauben und Wissenschaft. Verlag EDITION VA BENE, Klosterneuburg 2003. ISBN-10: 3851671430
    Irmgard Oepen: An den Grenzen der Schulmedizin. Eine Analyse umstrittener Methoden. Köln: Dt. Ärzte-Verlag 1985
    Irmgard Oepen, Otto Prokop (Hrsg.): Außenseitermethoden in der Medizin. Ursprünge, Gefahren, Konsequenzen. WBG 1989
    Irmgard Oepen: Unkonventionelle medizinische Verfahren. Stuttgart 1993
    Irmgard Oepen, Amardeo Sarma (Hrsg.): Paramedizin – Analysen und Kommentare. Münster 1998
    Irmgard Oepen, Rolf Scheidt: Wunderheiler heute. Eine kritische Literaturstudie. München, Zuckschwerdt 1989
    Arvid Siebert: Strafrechtliche Grenzen ärztlicher Therapiefreiheit. Berlin: Springer 1983
    Englisch

    James Randi: Flim-Flam! Prometheus, 1982, chapter 9 (The medical humbugs)
    D. Stalker, C. Glymour (eds.): Examining holistic medicine. Prometheus, 1985
    R. Barker Bausell: Snake Oil Science. The Truth about Complementary and Alternative Medicine. Oxford University Press 2009
    Margaret Thaler Singer, Janja Lalich: „Crazy“ Therapies – What are they? Do They Work? San Francisco: Jossey-Bass Publishers, 1996
    Edzard Ernst: The Desktop Guide to Complementary and Alternative Medicine. An evidence-based approach. Mosby, Harcourt Publishers Limited 2001
    Edzard Ernst: How to get rich quickly with ‚alternative‘ medicine. Skeptical Inquirer 2009, Mar-Apr S. 57
    Simon Singh, Edzard Ernst: Trick or Treatment: The Undeniable Facts about Alternative Medicine. Random House 2008
    Ben Goldacre: Bad Science: Quacks, Hacks, and Big Pharma Flacks. Faber & Faber (Reprint 2010)
    Weblinks

    Armin Geus: Krankheit ist Anarchie (Rezension des Buches „Nur Natur? Die Mythen der Alternativmedizin“ von Rosalind Coward) Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.1996, S. 36
    Robert Jütte: Die Faszination des Anderen: Die Alternativmedizin aus der Sicht des Medizinhistorikers
    Edzard Ernst: komplementärmedizinische Diagnoseverfahren. Dtsch Arztebl 2005; 102(44)
    Ein Flussdiagramm der Alternativen Medizin Laborjournal-Blog, 22. Oktober 2010
    Sekten-Info NRW: Kriterien zur Beurteilung alternativer/komplementärer Heilmethoden
    Roland Ziegler: Alternativmedizin kritisch betrachtet – Risiken und Gefahren durch unseriöse Anbieter und Scharlatanerie auf dem alternativen Medizinmarkt Vortrag bei der Jahresfachtagung der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V. und der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise (ADK)
    Krista Federspiel: Alternativmedizinische Angebote und ihre ideologischen Hintergründe Vortrag bei der Jahresfachtagung der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V. und der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise (ADK)
    Alma Fathi: Der Krankheitsbegriff in esoterischen Weltanschauungssystemen Vortrag bei der Jahresfachtagung der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V. und der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise (ADK)
    Complementary therapies: The big con? Belfast Telegraph, 22. April 2008, abgerufen am 7. Januar 2014
    Quellenangaben

    Die Bezeichnung Evidenz wird in Zusammenhang mit Medizin auf die Bedeutung von evidence (Beweis) im Englischen bezogen, welche nicht mit der von Evidenz im Deutschen übereinstimmt. Eine sinngemäßere Übersetzung wäre vielleicht „beweisbasierte Medizin“
    Helmut Kiene: Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung. Cognition-based Medicine. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2001. Zitat aus dem Vorwort: Die komplementäre Methodenlehre bietet die Grundlagen für eine wissenschaftliche Fortentwicklung der Medizin über die sogenannte Evidence-based Medicine hinaus. Dort wurde bisher nur die wissenschaftliche Basis für die „externe“ Evidenz entwickelt; die komplementäre Methodenlehre fügt nun die Basis für „interne“ Evidenz, für individuelle ärztliche Erkenntnis hinzu. Zur Unterscheidung gegenüber Evidence-based Medicine wird deshalb von einer „Cognition-based Medicine“ gesprochen.
    What Is Complementary and Alternative Medicine? National Center for Complementary and Alternative Medicine NCCAM, abgerufen am 3. Juni 2011
    Tanaka MM, Kendal JR, Laland KN (2009): From Traditional Medicine to Witchcraft: Why Medical Treatments Are Not Always Efficacious. PLoS ONE 4(4): e5192. doi:10.1371/journal.pone.0005192
    Quack remedies spread by virtue of being useless, New Scientist, May 01, 2009
    Cosmo Learning: Alternative medicine, abgerufen am 4. Juni 2011
    Florian: GWUP-Tagung in Wien, zweiter Tag: Homöopathie und der Mozart-Effekt scienceblogs.de, 4. Juni 2011
    complementary medicine im Skeptic Dictionary, abgerufen am 4. Juni 2011
    Götz-Erik Trott: So genannte „alternative“ Behandlungen der ADHS, 17. Dezember 2008, p. 10
    Astin JA (May 1998). „Why patients use alternative medicine: results of a national study“. JAMA 279 (19): 1548–53.
    Beyerstein BL: Alternative medicine and common errors of reasoning. Acad Med. 2001 Mar;76(3):230-7
    N. C. Abbot, A. R. White & E. Ernst: Complimentary Medicine. Nature 381, 361 (30 May 1996)
    Richardson MA, Ramirez T, Palmer JL (2000): Complementary/alternative medicine use in a comprehensive cancer center and the implications for oncology. J Clin Oncol 18: 2505-2514
    Lee MM, Lin SS, Wrensch MR (2000): Alternative therapies used by women with breast cancer in four ethnic populations. J Natl Cancer Inst 92: 42-47
    Susanne Weinbrenner: MPH FG Management im Gesundheitswesen, Technische Universität Berlin
    Anja Achenbach: Millionenmarkt Naturheilkunde. In: Financial Times, 21. Januar 2009
    [https://www.aerzteblatt.de/archiv/57593 Petra Spielberg: Schul- und Komplementärmedizin: Miteinander statt nebeneinander. Dtsch Arztebl 2007; 104(46)
    Horst Klinkmann, Third National Conference for Health Economics (Rostock), 2007
    Latest Survey Shows More Hospitals Offering Complementary and Alternative Medicine Services, Press Release, American Hospital Association, accessed June 4, 2011
    Richard L. Nahin, Patricia M. Barnes, Barbara J. Stussman, Barbara Bloom. NHSR, Number 18 n July 30, 2009. Costs of Complementary and Alternative Medicine (CAM) and Frequency of Visits to CAM Practitioners: United States, 2007
    https://www.quackometer.net/blog/2009/07/what-would-34-billion-of-quack-money.html
    Eisenberg DM, Davis RB, Ettner SL, Appel S, Wilkey S, Van Rompay M, Kessler RC: Trends in alternative medicine use in the United States, 1990–1997: results of a follow-up national survey. JAMA 1998;280:1569–75
    Curt G.A.: Introduction: Complementary and Alternative Medicine in Cancer Treatment. Sem Oncol 2002; 29: 529-530
    McGinnis L.S.: Alternative therapies, 1990. An overview. Cancer 1991; 67 (6 Suppl): 1788-1792
    The AP shoots and scores again, scienceblogs.com
    Research Results NCCAM
    Scientists Speak Out Against Federal Funds for Research on Alternative Medicine, David Brown, Washington Post, March 17, 2009
    Why the National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) Should Be Defunded, Wallace I. Sampson M.D., Quackwatch, December 2002
    Steven Salzberg: Save NIH $$$: eliminate “alternative” medicine. Genomics, Medicine, and Pseudoscience, 13. Juni 2010
    Markman M (2002): Safety issues in using complementary and alternative medicine. J Clin Oncol 20: 39-41
    https://sekten-info-nrw.de/index.php?option=com_content&task=view&id=59&Itemid=36
    https://www.eurekalert.org/pub_releases/2010-12/bmj-cmc122210.php (engl.)
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44039/Paediatrie–Tod-nach-Alternativmedizin.htm
    http:/adc.bmj.com/content/early/2010/11/24/adc.2010.183152.short?q=w_adc_ahead_tab (engl.)
    $2.5 billion spent, no alternative cures found. NBC News, 10. Juni 2009 R. Barker Bausell, Autor des Buches Snake Oil Science, kritisierte beispielsweise, dass es „politisch korrekt wurde, Unsinn zu untersuchen“.
    Jürgen Windeler: Evidenzbasierte Medizin und „Scientabilität“ – Widerspruch oder Ergänzung? Skeptiker 4/2013, 175-177
    Christian Weber: Auf der Suche nach dem Nichts. Sueddeutsche.de, 11. Januar 2014
    Christian Weymayr: Soll man Homöopathika an Patienten untersuchen? Nein. Skeptiker 4/2013, 171-174. Weymayr weist darauf hin, dass das Konzept der Scientabilität keine Forschungsverbote fordere. Auch setze es kein plausibles Wirkprinzip voraus, sondern „verwahrt sich gegen postulierte Wirkprinzipien, die sicheren Erkenntnissen widersprechen.“
    Sanfte Alternative?
    Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet. 2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):726-32
    https://www.promed-ev.de/modules/news/article.php?storyid=110
    https://www.bdhn-ev.de/uploads/media/Die_modernen_Wunderheiler.pdf abgerufen am 13. Juni 2011
    https://www.ruhrbarone.de/impfdepp-droht-mit-killer/101874

  • Autor
    Beiträge
  • #1626

    Administrator
    Keymaster
    • Offline

    Alternativmedizin

    Unter Alternativmedizin versteht man Methoden und Behandlungen, welche nicht von der wissenschaftsbasierten Medizin (auch evidenzbasierte Medizin[1] oder evidence based medicine, EBM) angewendet werden. Vor allem von Befürwortern werden auch die Begriffe Komplementärmedizin, Erfahrungsmedizin und Integrative Medizin benutzt. Im englischen Sprachraum, aber zunehmend auch bei uns, werden komplementär- und alternativmedizinische Verfahren als CAM bezeichnet. Daneben ist aus dem Umfeld der anthroposophischen Medizin der Begriff Cognition-based Medicine (CBM) vorgeschlagen worden.[2]

    Allgemeines

    Das US-amerikanische National Center for Complementary and Alternative Medicine NCCAM definiert komplementär- und alternativmedizinische Therapien als Behandlungen, die anstatt („alternativ“) oder zusätzlich („komplementär“) zu einer konventionellen, etablierten Therapie durchgeführt werden.[3] Eine Behandlung gilt dann als etabliert, wenn die klinische Wirksamkeit in prospektiven, randomisierten Studien zweifelsfrei belegt ist oder eine biologische Rationale die Behandlung als sinnvoll erscheinen lässt. Eine englisch-australische Forschergruppe zeigte 2009 mit einem Rechenmodell, dass merkwürdigerweise gerade wenig oder nicht wirksame Methoden die Eigenschaft haben, sich schnell zu verbreiten.[4][5]

    Edzard Ernst, ehemaliger Professor für Komplementärmedizin an der Universität von Exeter in England argumentierte, dass die Bezeichnung „Complementary and Alternative Medicine“(„CAM“) ein fast sinnloser Überbegriff ist und dass Unterscheidungen zwischen diesen Modalitäten gemacht werden müssten. Alle Behandlungen, ob „etabliert“ oder „alternativ“, müssen denselben Standards der wissenschaftlichen Methodik entsprechen. Die „Evidenzbasierte Medizin“ ist ein Ideal, das weder von der etablierten noch von der alternativen Medizin erreicht wurde. Ernst bezeichnet die Beweislage für viele alternative Techniken als schwach, nichtexistent oder negativ, gibt aber an, dass für etwa 20 Behandlungsmethoden Belege vorliegen, speziell für manche Kräuter und Akupunktur – was aber nicht bedeutet, dass die Behandlungsmethoden etabliert sind, speziell nicht weltweit.[6][7]

    Die Begriffe Alternativmedizin und Komplementärmedizin sind daher beschönigend, da sie in der Regel keine wirklichen Alternativen anbieten, sondern nicht oder weniger wirksame Methoden. Das gilt auch für die Bezeichnung Erfahrungsmedizin, mit der die Berufung auf anekdotische Heilerfolge statt auf solide Wirkungsnachweise als positive Eigenschaft dargestellt werden soll.[8] Fast alle alternativmedizinischen Verfahren sind der Pseudomedizin zuzurechnen. In der Regel beruhen die Konzepte der Alternativ- und Komplementärmedizin auf einem Axiom, eine selbstverständliche Wahrheit, die keinen Beweis benötigt.[9]

    Anziehungskraft der Alternativmedizin

    Für die Beliebtheit von Angeboten außerhalb der wissenschaftsbasierten Medizin wurden einige Faktoren identifiziert. Menschen, die alternative Behandlungen suchten, hatten oft extreme Erlebnisse, die ihre Weltsicht veränderten, setzen sich für die Umwelt und Feminismus ein und zeigen Interesse an Spiritualität und persönlichem geistigem Wachstum. Eine Studie stellte fest, dass Unzufriedenheit mit konventioneller Medizin kein entscheidender Faktor für die Verwendung von Alternativmedizin ist. Nur 4,4 % der befragten Personen erklärten, sich primär auf alternative Therapien zu verlassen. Die Studie folgerte, dass Menschen die alternative Gesundheitsversorgung besser zu ihren eigenen Werten, Glauben und philosophischer Einstellung zu Gesundheit und Leben passend finden.[10] Dennoch werden Argumente wie „Heilpraktiker nehmen sich mehr Zeit für den Patienten als Ärzte“ häufig gehört.

    Enttäuschung und Misstrauen gegenüber konventioneller Medizin können ebenfalls eine Rolle spielen. Viele Patienten und Kunden finden auch Gefallen an einer mehr oder weniger deutlichen Kritik an „der Schulmedizin“ oder auch „der Pharmaindustrie“, die im alternativmedizinischen Umfeld nicht selten ist. Oft wird auch eine anti-wissenschaftliche Einstellung mit New Age-Mystizismus verknüpft. Energisches Marketing und extravagante Behauptungen erzeugen falsche Hoffnungen. Wenn Menschen krank werden, ist jedes Heilversprechen verführend.[11]

    Eine Attraktivität kann sich auch aus den typischen Merkmalen pseudomedizinischer Verfahren ergeben, beispielsweise schlichte, anschauliche Erklärungen zum Wirkmechanismus, das Versprechen einer“ganzheitlichen“ oder „natürlichen“ Behandlung, ferner das angebliche Fehlen von Nebenwirkungen. Nebenwirkungen gibt es jedoch auch bei alternativmedizinischen Verfahren.[12]

    Verschiedenen Autoren zufolge könne der typische Patient oder Kunde von Alternativmedizin durch folgende Eigenschaften charakterisiert werden:[10] jung (30 bis 50 Jahre)[13], höhere Ausbildung, schlechtere Gesundheit, tendiert dazu politisch „links“ oder „grün“ zu sein[14], relativ hohes Einkommen, weiblich, eine „ganzheitliche“ Einstellung zur Gesundheit und leidet an Angstgefühlen, Rückenschmerzen, chronischen Schmerzen oder Harnwegsproblemen.

    Markt
    Forschung
    Kritik

    Wer heilt hat Recht
    Anwender alternativmedizinischer Methoden berufen sich bei der Frage nach einer Wirksamkeit häufig lediglich auf ihre eigene Erfahrung, die sich auf die selektive Auswahl bestimmter eigener Wahrnehmungen in der Vergangenheit bezieht. Derartige retrospektive Betrachtungen haben jedoch keinen beweisenden Charakter. Deshalb ist auch die gelegentlich zu hörende Argumentation Wer heilt hat Recht irreführend, da ihr fast immer eine Verwechslung von Korrelation mit Kausalität aufgrund anekdotischer Erlebnisse oder Berichte zugrunde liegt. Anders ausgedrückt, die Erkrankung könnte statt durch homöopathische Globuli auch genauso gut „von selbst“ verschwunden sein.

    Der Begriff einer postulierten und unscharf formulierten „Ganzheitlichkeit“ (oft verbunden mit „von Körper, Geist und Seele“) bleibt innerhalb der Alternativmedizin ein reines Versprechen, das aufgrund des zeitlichen oder finanziellen Bedarfs auch nur schwer umzusetzen wäre.

    Gefahrenpotential
    Die Alternativmedizin birgt Risiken:[30][31][32]:

    Ablehnung effektiver Diagnostik oder Therapie zugunsten pseudomedizinischer Methoden ohne Wirksamkeitsnachweis, mit der Folge einer Verschleppung einer Krankheit oder dem Erscheinen vermeidbarer Symptome
    Fehldiagnosen aufgrund mangelhafter medizinischer Ausbildung von in der Alternativmedizin Tätigen
    Verschlechterung der Therapieaussichten durch vergebliche pseudomedizinische Bemühungen
    Entstehung von Schuldgefühlen bei Misserfolg, sich selbst oder Angehörigen gegenüber
    Psychische oder finanzielle Ausbeutung aufgrund eines Heilangebots, das sektenartige Strukturen aufweist
    Entstehung einer psychischen Abhängigkeit bis hin zur Heilersucht
    Todesfälle oder körperliche Schäden durch nicht geeignete Verfahren
    In einer im Dezember 2010 veröffentlichten Studie des Royal Children’s Hospital in Melbourne wurden 39 Fälle untersucht, bei denen Kinder nach alternativmedizinischen Behandlungen zu Schaden gekommen waren. In 30 Fällen konnte ein Zusammenhang zwischen der Schädigung der Patienten und dem Einsatz alternativmedizinischen Therapieansätzen beziehungsweise der Verweigerung der von den Ärzten verordneten Medikamente hergestellt werden. Vier der Kinder starben, weil die Eltern medizinische Therapien verweigerten: Ein acht Monate alter unterernährter Säugling erlag einem septischen Schock, nachdem er seit dem 3. Lebensmonat wegen einer vermeintlichen Verstopfung auf eine „naturopathische“ Reismilchdiät gesetzt worden war. Ein 10 Monate alter Säugling starb ebenfalls an einem septischen Schock, nachdem er wegen eines chronischen Ekzems auf eine restriktive Diät gesetzt worden war. Ein weiteres Kind starb nach mehrfachen epileptischen Anfällen, nachdem die Eltern die antiepileptischen Medikamente aus Angst vor Nebenwirkungen abgesetzt und das Kind mit alternativmedizinischen Mittelchen behandelt hatten. Das vierte Kind erlitt tödliche Blutungen, weil die Eltern die Therapie mit Gerinnungsfaktoren zugunsten einer komplementärmedizinischen Behandlung verweigert hatten.[33][34]

    Sinn alternativmedizinischer Forschung
    Kritisiert werden auch Untersuchungen pseudomedizinischer Verfahren.[35] Nach Ansicht einiger Kritiker sei die Idee, physikalische Unmöglichkeiten (wie die Homöopathie) mit empirischen Methoden zu untersuchen, nicht offen und wissenschaftlich, sondern stelle im Grunde einen Missbrauch wissenschaftlicher Methoden dar.[36] Es wurde das Konzept der „Scientabilität“ vorgeschlagen, das besagt, dass medizinische Maßnahmen nur dann in klinischen Studien untersucht werden sollen, wenn sie sicheren Erkenntnissen nicht widerspricht.[37][38] Die Homöopathie (wie auch andere pseudomedizinische Verfahren) erfüllt diese Voraussetzung nicht, sondern stehen im Widerspruch zu wohlbestätigtem Wissen. Selbst ein wiederholtes positives Ergebnis eines klinischen Tests wäre kein Beleg, dass die Grundannahmen der Homöopathie, z.B. dass eine extreme Verdünnung („Potenzierung“) eines Mittels dessen Wirksamkeit erhöhe, zutreffen.

    Einschüchterungsversuche und Aktivitäten gegen Kritiker

    Beispiel: Anonyme Morddrohungen gegen Personen, die als Autoren bei Psiram vermutet werden. Die behaupteten Falschmeldungen werden nicht genannt, die Rubrik „Unzufrieden mit einem Psiram-Artikel?“ im Forum nicht benutzt. Tatsächlich entdeckte Fehler in Artikeln werden im Artikel Errata gelistet. (Bild: Screenshot einer typischen Morddrohung im Psiram-Blog der IP IP 178.162.217.136 / dgaslerj@hotmail.com vom 26. Februar 2015 12:24)
    Die Stiftung Warentest wollte ein Buch mit kritischer Analyse und Bewertung von Natur- und Alternativmedizin herausgeben. Die Zeitschrift Stern nutzte die Gelegenheit für eine Vorveröffentlichung: Krista Federspiel, eine der beiden Autorinnen, und ihr Kollege Hans Weiss boten an, eine „Wallraffiade“ durch die Szene zu unternehmen und sich von je zehn Naturheilern eine Diagnose erstellen zu lassen. Der Stern garantierte eine großzügige Bezahlung für die Reportage und forderte einen zweiten Teil an, in dem von Alternativmethoden Geschädigte namentlich vorgestellt werden sollten. Zum Nachweis, dass die Journalisten tatsächlich bei den Naturheilern waren, hielt ein Fotograf das Geschehen fest. Jeder besuchte Heiler dichtete den Probanden mehrere Krankheiten an: Insgesamt wurden 38 verschiedene Krankheiten sowie eine Unzahl von Störungen und Allergien attestiert und mehr als 130 Medikamente verschrieben. Als die Reportage „Wunderheiler und Krankbeter“ im Stern 49/1991 zu lesen war, löste die darin erhobene Kritik so viel Empörung und massive Proteste von Heilpraktikern aus, dass die Redaktion aus Angst vor Leserverlust die Veröffentlichung des zweiten Teils scheute und ihn schließlich ganz absagte. Man gab die Rechte an die Autoren zurück.[39]

    In einer Sendung des ZDF vom 5. September 2007 mit dem Titel „Heilen mit dem Nichts?“ berichtete der Journalist Joachim Bublath über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Homöopathie (unter anderem über eine Analyse in The Lancet[40]), die eine etwaige Wirksamkeit dieser umstrittenen Methode gegenüber Placebos in Frage stellte. Die Folge waren Aufrufe von Homöopathie-Befürwortern zum spamming und das ZDF reagierte, indem es die Webseiten mit den zitierten Lancet-Angaben löschte.[41][42]

    Im Februar 2015 bedrohte ein anonymer Impfgegner (dgaslerj@hotmail.com / IP 178.162.217.136) die Herausgeber des Blogs „Ruhrbarone“ mit der Ermordung durch einen Auftragskiller, weil er sie für die Verantwortlichen des Projekts Psiram hielt. Die Drohung lautete:

    Herr XXX XXX und Herr XXX XXX Sie haben einen Menschen, resp. mindestens 1 Menschenleben auf dem Gewissen.
    Wir forderen Sie daher auf, dies Webseite, welche laufend strafrechtlich relevante Denunzierungen vornimmt und sich des Rufmordes bedient, vom Netz zu nehmen.
    Dies ist eine erste und die letzte Warnung. Es bleibt ansonsten nur der bezahlte Auftragsmord zum Schutze vor solchen Informationsseiten, die verheerende Falschmeldungen verbreitet.
    Dies ist eine äusserst ernste Angelegenheit.
    Die Blogger informierten daraufhin ihre Leser, die Polizei eingeschaltet zu haben.[43]

    Literatur

    Deutsch

    Simon Singh, Edzard Ernst: Gesund ohne Pillen – was kann die Alternativmedizin? Hanser, 2009
    M. Shermer und Lee Traynor: Heilungsversprechen – Alternativmedizin zwischen Versuch und Irrtum. Skeptisches Jahrbuch III, Alibri, 2004, ISBN 3-932710-86-X
    Christian Ullmann: Fakten über die „andere Medizin“. Augsburg, Foitzick, 2006
    Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik. Beck Verlag, 2003
    Uwe Heyll: Wasser, Fasten, Luft und Licht. Die Geschichte der Naturheilkunde in Deutschland. Campus Verlag 2006
    Colin Goldner: Alternative Diagnose- und Therapieverfahren. Eine kritische Bestandsaufnahme. Alibri 2008 ISBN-10: 3865690432
    Krista Federspiel, I. Lackinger-Karger: Kursbuch Seele. Köln, Kiepenheuer & Witsch 1996 (544 S.)
    B.L. Beyerstein: Warum falsche Therapien zu wirken scheinen. In: Shermer/Traynor (s. o.)
    Bernd Harder: Stimmt es, dass Recht hat, wer heilt? Skeptiker 2/07, S.74-75
    Theodor Much: Der veräppelte Patient? Alternativmedizin zwischen (Aber-)Glauben und Wissenschaft. Verlag EDITION VA BENE, Klosterneuburg 2003. ISBN-10: 3851671430
    Irmgard Oepen: An den Grenzen der Schulmedizin. Eine Analyse umstrittener Methoden. Köln: Dt. Ärzte-Verlag 1985
    Irmgard Oepen, Otto Prokop (Hrsg.): Außenseitermethoden in der Medizin. Ursprünge, Gefahren, Konsequenzen. WBG 1989
    Irmgard Oepen: Unkonventionelle medizinische Verfahren. Stuttgart 1993
    Irmgard Oepen, Amardeo Sarma (Hrsg.): Paramedizin – Analysen und Kommentare. Münster 1998
    Irmgard Oepen, Rolf Scheidt: Wunderheiler heute. Eine kritische Literaturstudie. München, Zuckschwerdt 1989
    Arvid Siebert: Strafrechtliche Grenzen ärztlicher Therapiefreiheit. Berlin: Springer 1983
    Englisch

    James Randi: Flim-Flam! Prometheus, 1982, chapter 9 (The medical humbugs)
    D. Stalker, C. Glymour (eds.): Examining holistic medicine. Prometheus, 1985
    R. Barker Bausell: Snake Oil Science. The Truth about Complementary and Alternative Medicine. Oxford University Press 2009
    Margaret Thaler Singer, Janja Lalich: „Crazy“ Therapies – What are they? Do They Work? San Francisco: Jossey-Bass Publishers, 1996
    Edzard Ernst: The Desktop Guide to Complementary and Alternative Medicine. An evidence-based approach. Mosby, Harcourt Publishers Limited 2001
    Edzard Ernst: How to get rich quickly with ‚alternative‘ medicine. Skeptical Inquirer 2009, Mar-Apr S. 57
    Simon Singh, Edzard Ernst: Trick or Treatment: The Undeniable Facts about Alternative Medicine. Random House 2008
    Ben Goldacre: Bad Science: Quacks, Hacks, and Big Pharma Flacks. Faber & Faber (Reprint 2010)
    Weblinks

    Armin Geus: Krankheit ist Anarchie (Rezension des Buches „Nur Natur? Die Mythen der Alternativmedizin“ von Rosalind Coward) Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.1996, S. 36
    Robert Jütte: Die Faszination des Anderen: Die Alternativmedizin aus der Sicht des Medizinhistorikers
    Edzard Ernst: komplementärmedizinische Diagnoseverfahren. Dtsch Arztebl 2005; 102(44)
    Ein Flussdiagramm der Alternativen Medizin Laborjournal-Blog, 22. Oktober 2010
    Sekten-Info NRW: Kriterien zur Beurteilung alternativer/komplementärer Heilmethoden
    Roland Ziegler: Alternativmedizin kritisch betrachtet – Risiken und Gefahren durch unseriöse Anbieter und Scharlatanerie auf dem alternativen Medizinmarkt Vortrag bei der Jahresfachtagung der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V. und der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise (ADK)
    Krista Federspiel: Alternativmedizinische Angebote und ihre ideologischen Hintergründe Vortrag bei der Jahresfachtagung der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V. und der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise (ADK)
    Alma Fathi: Der Krankheitsbegriff in esoterischen Weltanschauungssystemen Vortrag bei der Jahresfachtagung der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V. und der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise (ADK)
    Complementary therapies: The big con? Belfast Telegraph, 22. April 2008, abgerufen am 7. Januar 2014
    Quellenangaben

    Die Bezeichnung Evidenz wird in Zusammenhang mit Medizin auf die Bedeutung von evidence (Beweis) im Englischen bezogen, welche nicht mit der von Evidenz im Deutschen übereinstimmt. Eine sinngemäßere Übersetzung wäre vielleicht „beweisbasierte Medizin“
    Helmut Kiene: Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung. Cognition-based Medicine. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2001. Zitat aus dem Vorwort: Die komplementäre Methodenlehre bietet die Grundlagen für eine wissenschaftliche Fortentwicklung der Medizin über die sogenannte Evidence-based Medicine hinaus. Dort wurde bisher nur die wissenschaftliche Basis für die „externe“ Evidenz entwickelt; die komplementäre Methodenlehre fügt nun die Basis für „interne“ Evidenz, für individuelle ärztliche Erkenntnis hinzu. Zur Unterscheidung gegenüber Evidence-based Medicine wird deshalb von einer „Cognition-based Medicine“ gesprochen.
    What Is Complementary and Alternative Medicine? National Center for Complementary and Alternative Medicine NCCAM, abgerufen am 3. Juni 2011
    Tanaka MM, Kendal JR, Laland KN (2009): From Traditional Medicine to Witchcraft: Why Medical Treatments Are Not Always Efficacious. PLoS ONE 4(4): e5192. doi:10.1371/journal.pone.0005192
    Quack remedies spread by virtue of being useless, New Scientist, May 01, 2009
    Cosmo Learning: Alternative medicine, abgerufen am 4. Juni 2011
    Florian: GWUP-Tagung in Wien, zweiter Tag: Homöopathie und der Mozart-Effekt scienceblogs.de, 4. Juni 2011
    complementary medicine im Skeptic Dictionary, abgerufen am 4. Juni 2011
    Götz-Erik Trott: So genannte „alternative“ Behandlungen der ADHS, 17. Dezember 2008, p. 10
    Astin JA (May 1998). „Why patients use alternative medicine: results of a national study“. JAMA 279 (19): 1548–53.
    Beyerstein BL: Alternative medicine and common errors of reasoning. Acad Med. 2001 Mar;76(3):230-7
    N. C. Abbot, A. R. White & E. Ernst: Complimentary Medicine. Nature 381, 361 (30 May 1996)
    Richardson MA, Ramirez T, Palmer JL (2000): Complementary/alternative medicine use in a comprehensive cancer center and the implications for oncology. J Clin Oncol 18: 2505-2514
    Lee MM, Lin SS, Wrensch MR (2000): Alternative therapies used by women with breast cancer in four ethnic populations. J Natl Cancer Inst 92: 42-47
    Susanne Weinbrenner: MPH FG Management im Gesundheitswesen, Technische Universität Berlin
    Anja Achenbach: Millionenmarkt Naturheilkunde. In: Financial Times, 21. Januar 2009
    [https://www.aerzteblatt.de/archiv/57593 Petra Spielberg: Schul- und Komplementärmedizin: Miteinander statt nebeneinander. Dtsch Arztebl 2007; 104(46)
    Horst Klinkmann, Third National Conference for Health Economics (Rostock), 2007
    Latest Survey Shows More Hospitals Offering Complementary and Alternative Medicine Services, Press Release, American Hospital Association, accessed June 4, 2011
    Richard L. Nahin, Patricia M. Barnes, Barbara J. Stussman, Barbara Bloom. NHSR, Number 18 n July 30, 2009. Costs of Complementary and Alternative Medicine (CAM) and Frequency of Visits to CAM Practitioners: United States, 2007
    https://www.quackometer.net/blog/2009/07/what-would-34-billion-of-quack-money.html
    Eisenberg DM, Davis RB, Ettner SL, Appel S, Wilkey S, Van Rompay M, Kessler RC: Trends in alternative medicine use in the United States, 1990–1997: results of a follow-up national survey. JAMA 1998;280:1569–75
    Curt G.A.: Introduction: Complementary and Alternative Medicine in Cancer Treatment. Sem Oncol 2002; 29: 529-530
    McGinnis L.S.: Alternative therapies, 1990. An overview. Cancer 1991; 67 (6 Suppl): 1788-1792
    The AP shoots and scores again, scienceblogs.com
    Research Results NCCAM
    Scientists Speak Out Against Federal Funds for Research on Alternative Medicine, David Brown, Washington Post, March 17, 2009
    Why the National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) Should Be Defunded, Wallace I. Sampson M.D., Quackwatch, December 2002
    Steven Salzberg: Save NIH $$$: eliminate “alternative” medicine. Genomics, Medicine, and Pseudoscience, 13. Juni 2010
    Markman M (2002): Safety issues in using complementary and alternative medicine. J Clin Oncol 20: 39-41
    https://sekten-info-nrw.de/index.php?option=com_content&task=view&id=59&Itemid=36
    https://www.eurekalert.org/pub_releases/2010-12/bmj-cmc122210.php (engl.)
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44039/Paediatrie–Tod-nach-Alternativmedizin.htm
    http:/adc.bmj.com/content/early/2010/11/24/adc.2010.183152.short?q=w_adc_ahead_tab (engl.)
    $2.5 billion spent, no alternative cures found. NBC News, 10. Juni 2009 R. Barker Bausell, Autor des Buches Snake Oil Science, kritisierte beispielsweise, dass es „politisch korrekt wurde, Unsinn zu untersuchen“.
    Jürgen Windeler: Evidenzbasierte Medizin und „Scientabilität“ – Widerspruch oder Ergänzung? Skeptiker 4/2013, 175-177
    Christian Weber: Auf der Suche nach dem Nichts. Sueddeutsche.de, 11. Januar 2014
    Christian Weymayr: Soll man Homöopathika an Patienten untersuchen? Nein. Skeptiker 4/2013, 171-174. Weymayr weist darauf hin, dass das Konzept der Scientabilität keine Forschungsverbote fordere. Auch setze es kein plausibles Wirkprinzip voraus, sondern „verwahrt sich gegen postulierte Wirkprinzipien, die sicheren Erkenntnissen widersprechen.“
    Sanfte Alternative?
    Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet. 2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):726-32
    https://www.promed-ev.de/modules/news/article.php?storyid=110
    https://www.bdhn-ev.de/uploads/media/Die_modernen_Wunderheiler.pdf abgerufen am 13. Juni 2011
    https://www.ruhrbarone.de/impfdepp-droht-mit-killer/101874

Ansicht von 1 Beitrag (von insgesamt 1)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.

Deine Spende hilft helfen! Wenn jeder nur einen Euro gibt, können wir die Bekanntheit von CRPS steigern und für Forschung sorgen.
Bitte spenden Sie jetzt!