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    Ergotherapie
    Die Ergotherapie (v. griechisch ἔργον, altgriechische Aussprache érgon, „Werk“, „Arbeit“ und θεραπεία, griech. Aussprache therapeía, „Dienst“, „Behandlung“) ist eine Therapieform, die sich mit der Ausführung konkreter Betätigungen und deren Auswirkungen auf den Menschen und dessen Umwelt befasst. Beeinträchtigungen werden durch den gezielten Einsatz von individuell sinnvollen Tätigkeiten behandelt. Dabei nehmen die persönliche und sozio-kulturelle Bedeutung der Tätigkeit, deren Auswirkung auf die Gesundheit und deren Wechselwirkungen mit der Umwelt einen hohen Stellenwert ein.

    Der Deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) definiert die Ergotherapie folgendermaßen:

    „Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.“[1]

    Geschichte[Bearbeiten]
    Der Beruf des Ergotherapeuten entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA und wurde von unterschiedlichen Berufsgruppen wie Ärzten, Sozialarbeitern, Krankenschwestern, Künstlern, Handwerkslehrern und Architekten unabhängig voneinander entwickelt.

    In Deutschland entwickelte sich der Beruf Ergotherapeut aus der Zusammenlegung von Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Hermann Simon 1924 eine arbeitstherapeutische Theorie zur Behandlung psychisch Kranker. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland durch britische Krankenschwestern zur Versorgung der an Psyche und Körper verwundeten deutschen Soldaten und Zivilisten erstmals beschäftigungs- und arbeitstherapeutische Verfahren und Methoden angewendet. In Deutschland wurde 1953 die erste Lehreinrichtung für Beschäftigungstherapie in Hannover im Annastift gegründet. 1999 wurden die bis dahin gesetzlich geschützten Berufsbezeichnungen Beschäftigungs- und Arbeitstherapeut geändert. Die aktuelle gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung lautet Ergotherapeut.[2]

    Grundlagen[Bearbeiten]
    Ergotherapie beruht auf medizinischer, sozialwissenschaftlicher und handlungsorientierter Grundlage. Fachspezifische Grundlagen werden in Deutschland durch Forschungen im Bereich Ergotherapie und im Ausland in den Betätigungswissenschaften (occupational science) erarbeitet.[3]

    In der Ergotherapie werden die Betätigungsbereiche Selbstversorgung (z. B. essen, sich anziehen), Freizeit (z. B. spielen, Freunde treffen, Handarbeiten) und Produktivität (z. B. einen Aufsatz schreiben, Fenster putzen) unterschieden.

    Die mechanistische Sichtweise auf den Menschen (der Mensch ist die Summe seiner Körperstrukturen und Funktionen, Störungen in den Betätigungsfeldern werden deshalb auf Störungen dieser Strukturen und Funktionen zurückgeführt) wird innerhalb der Ergotherapie seit Mitte der 1970er Jahre in den USA und Kanada und seit Mitte der 1990er Jahre in Deutschland zunehmend von einer ganzheitlichen (holistischen) Sichtweise abgelöst: der Mensch wird als offenes System gesehen, in dem komplexe Beziehungen zwischen dem Individuum, seiner Umwelt, seinen Aktivitäten und seiner Partizipation (Teilhabe) bestehen. Daraus folgt, dass bei Betätigungsproblemen alle Faktoren berücksichtigt werden müssen, um einen zufriedenstellenden Lösungsweg zu finden.[4][5]

    Ergotherapeuten, die die ganzheitliche Sichtweise vertreten, gehen von folgenden Grundannahmen und Werten aus:

    Grundannahmen

    Menschen sind von Natur aus handelnde Wesen.
    Aktivität und Partizipation haben einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit eines Menschen.
    Menschen können Störungen und Einschränkungen im Handeln erfahren.
    Das Handeln kann als Ausgangspunkt für Veränderung genutzt werden.
    Die Umgebung kann als Ausgangspunkt für Veränderung genutzt werden.
    Werte

    Jeder Mensch hat das Recht auf Teilnahme an persönlich bedeutungsvollen Aktivitäten.
    Einschränkungen vermindern nicht den Wert des Individuums.
    Einschränkungen sind nicht zwingend ein Hindernis für eine gute Lebensqualität.
    Jedes Individuum hat das Recht, sein eigenes Leben zu bestimmen.[6]
    Ziele[Bearbeiten]
    Ziel der Ergotherapie ist in allen Einsatzbereichen gleich: eine zufriedenstellende Ausführung alltäglicher Handlungen und die damit verbundene selbstbestimmte Teilhabe am sozio-kulturellen Leben.

    Das wird erreicht durch Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensation der beeinträchtigten Fähigkeiten und Funktionen. Neben geeigneten Übungen soll auch der Einsatz von Hilfsmitteln dazu beitragen, dass die Umwelt an die verbleibenden Fähigkeiten angepasst wird und so ein Optimum an Rehabilitation erreicht wird.

    Einsatzbereiche[Bearbeiten]
    Ergotherapeuten beraten, behandeln und fördern Patienten jeden Alters, die durch eine physische oder psychische Erkrankung, durch eine Behinderung oder durch eine Entwicklungsstörung in ihrer Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit beeinträchtigt bzw. von Einschränkungen bedroht sind. Sie erarbeiten individuelle Behandlungspläne, führen Therapien sowie Maßnahmen der Prävention durch und übernehmen leitende Funktionen in Verwaltung und Management von Gesundheitseinrichtungen.

    Arbeitsplätze finden Ergotherapeuten hauptsächlich in Praxen für Ergotherapie, in Vorsorge-, Rehabilitations- und Fachkliniken oder in Gesundheitszentren. Sie sind auch in Pflegeheimen, bei ambulanten sozialen Diensten oder in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung sowie in Sonderschulen und Frühförderzentren beschäftigt. Darüber hinaus sind sie an Berufsfachschulen für Ergotherapie und an Hochschulen tätig.

    Ergotherapie ist in Deutschland ein anerkanntes Heilmittel und wird vom Arzt verordnet als motorisch-funktionelle, psychisch-funktionelle, sensomotorisch-perzeptive Behandlung sowie als Hirnleistungstraining. Ergotherapeuten arbeiten in Praxen oder zum Beispiel innerhalb von sozialen Einrichtungen. Einsatzbereiche sind hauptsächlich die Pädiatrie, Psychiatrie, Geriatrie, Neurologie, Orthopädie und Einrichtungen für geistig und/oder körperlich beeinträchtigte Menschen.

    Pädiatrie[Bearbeiten]
    Die Behandlung von Kindern (Pädiatrie) ist ein wesentliches Teilgebiet der Ergotherapie (prozentuale Menge aller Verschreibungen ergotherapeutischer Behandlungen) und entlehnt damit grundlegendes Wissen aus der Entwicklungspsychologie (vgl. Affolter, Ayres, Frostig usw.). Entsprechend überschneidet sich die Ergotherapie in mehreren Bereichen und in zunehmendem Maße mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Kinderpsychologie bzw. der kinderpsychologischen Behandlung.

    Ergotherapie kann daher (im Rahmen interdisziplinärer Zusammenarbeit) bei allen Kindern und Jugendlichen indiziert sein, deren Entwicklung zu selbstständigen, handlungsfähigen Erwachsenen eingeschränkt bzw. behindert ist, z. B. durch:

    Störungen des Bewegungsablaufs infolge hirnorganischer Schädigungen (spastische Lähmungen, Anfallsleiden, Hydrocephalus, Spina bifida, Muskeldystrophien etc.) (Überschneidung mit der Physiotherapie)
    Störungen der sensomotorischen Entwicklung und der damit verbundenen Beeinträchtigung der kognitiven Prozesse
    Störungen der Wahrnehmungsfähigkeit und -verarbeitung (sensorischen Integrationsstörungen)
    Ausfallerscheinungen bzw. Verzögerungen in der Sozialentwicklung, der Beziehungsbildung und Kommunikationsfähigkeit
    Psychische Erkrankungen nur in Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendpsychiatern oder -psychologen, z. B. Verhaltensstörungen, ADHS, frühkindlicher Autismus, Essstörungen
    Sinnesbehinderungen, z. B. Taubheit, Blindheit
    Der tatsächliche Entwicklungsstand des Kindes/Jugendlichen ist die Grundlage aller Maßnahmen. Zur Vermeidung von Behandlungsfehlern empfiehlt sich daher in jedem Falle dringend eine vorhergehende umfassende entwicklungs-/neuro-/psychologische Abklärung des Kindes unter Einbeziehung des psychosozialen Kontextes. Die anzuwendenden Behandlungsverfahren beruhen auf neurologisch-anatomischen, anatomisch-funktionellen, psychosozialen, entwicklungspsychologisch und lerntheoretisch orientierten Grundsätzen und Kenntnissen. In der Anwendung der neurophysiologischen, neuropsychologischen, psychosozialen und motorisch-funktionellen Verfahren stehen immer die basalen sensomotorischen Funktionen im Zentrum. Diese bilden die Grundlage für die weitere, darauf aufbauende kognitive Entwicklung (vgl. Entwicklungspsychologie).

    Behandelt wird, je nach Störungsbild, Entwicklungsstand und sozialem Umfeld, nach Behandlungskonzepten bzw. -ansätzen wie dem Bobath-Konzept, der Sensorischen Integrationstherapie von Anna Jean Ayres, der Schluck- und Mundmotorik von Castillo-Morales und Ansätzen von Félicie Affolter, Marianne Frostig oder Maria Montessori.

    Behandlungsziele sind unter anderem:

    Verbesserung der Bewegungsabläufe, der Tonusregulation und der Koordination
    Verbesserung der Sinneswahrnehmung und der Wahrnehmungsverarbeitung
    Verbesserung der Konzentration und Ausdauer und kognitiver Leistungen
    Stärkung der Motivation und Neugierde
    Integration in Familie und Umwelt inkl. der intensiven Auseinandersetzung mit der Umwelt und der Kompensation bleibender Defizite
    Größtmögliche Selbständigkeit im Alltag, in der Schule und im weiteren Umfeld
    Die Behandlung kann in Sonderschulen, Sonderkindergärten, Frühförderstellen, Kinderkliniken und speziellen Rehabilitationszentren aller Fachrichtungen, Kinderheimen, Sozialpädiatrischen Zentren oder hauptsächlich in Ergotherapie-Praxen stattfinden.

    Von eminenter Wichtigkeit ist die Einbeziehung des sozialen Umfeldes des Kindes in eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, also der Erzieher, Lehrer, Kinderpsychologen, Kinder- und Jugendpsychiater und anderer Therapeuten, vor allem aber der Eltern.

    Eine von der Techniker Krankenkasse in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage unter 1.000 Eltern schulpflichtiger Kinder zeigte, dass jedes fünfte Kind in Ergotherapie und auch jedes fünfte in einer Physiotherapie war.[7]

    Neurologie[Bearbeiten]
    Siehe auch: Neurologie
    Hier werden vor allem Erkrankungen des Zentralen Nervensystems zum Beispiel Zustand nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Verletzungen, Querschnittlähmungen, Multiple Sklerose, Parkinson-Syndrom oder Amyotrophe Lateralsklerose behandelt.

    Eine ergotherapeutische Behandlung in diesem Fachbereich beinhaltet zum Beispiel:

    Therapie der Störung und Herstellung des vor der Erkrankung bekannten Zustandes
    Hemmung und Abbau krankhafter Haltungs- und Bewegungsmuster und Erlernen und Üben normaler Bewegungen
    Verbesserung der Verarbeitung von Sinnesreizen im Sinne einer Normalisierung der Reizempfindung, einer Filterung und Bewertung der empfundenen Reize, einer Normalisierung der Geschwindigkeit der Reizverarbeitung und der Normalisierung der Reizverarbeitung bis zu einer zweckmäßigen motorischen Antwort
    sensorische Integration
    Behandlung von Störungen der Grob- und Feinmotorik
    Verbesserung von Gleichgewichtsempfindungen und der Gleichgewichtsreaktionen
    Verbesserung von neuropsychologischen Defiziten und Einschränkungen der geistigen Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis oder Lese-Sinn-Verständnis, das Erkennen von Gegenständen oder das Erfassen von Räumen, Zeit und Personen
    Entwöhnung von der Beatmungsmaschine
    Versuch, komatöse oder wachkomatöse Patienten aus dem Koma zu holen
    Verbesserung oder auch Wiedererlernen des Schluckens
    Erlernen von Ersatzfunktionen
    Entwicklung und Verbesserung der Fähigkeiten unter anderem in den Bereichen der Gefühlssteuerung, der Affekte oder der Kommunikation
    Training von Alltagsaktivitäten im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbständigkeit
    Beratung bezüglich geeigneter Hilfsmittel und Änderungen im häuslichen und beruflichen Umfeld, eventuell Anpassung von Hilfsmitteln
    Um die oben beschriebenen Ziele zu erreichen, greift die Ergotherapie auf verschiedene Behandlungsansätze zurück, wie zum Beispiel nach Anna Jean Ayres, Bobath / physiotherapeutische Methode, Affolter, Johnstone, PNF / physiotherapeutische Methode, Perfetti, Castillo Morales, Basale Stimulation, F.O.T.T.

    Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie[Bearbeiten]
    → Hauptartikel: Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie
    Ergotherapeutisch werden behandelt:

    Menschen mit Störungen des Bewegungsapparates, z. B. bei oder nach:
    traumatischen und degenerativen Störungen der oberen und unteren Extremitäten und der Wirbelsäule z. B. Knochenbrüchen
    Amputationen
    Querschnittlähmungen
    Dysmelien
    Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
    Kontrakturenprophylaxe bei geriatrischen und Wachkomapatienten
    Narbenbehandlung von Brandverletzten sowie eine Schienenversorgung
    Die Arbeit geschieht hauptsächlich über motorisch-funktionelles Training. Weiterhin werden Hilfsmittel angepasst und deren Handhabung geübt und der Wohnraum des Betroffenen bei Bedarf adaptiert. Besonderer Schwerpunkt ist die Wiederherstellung der Feinmotorik, um eine größtmögliche Selbstständigkeit beim Essen, Trinken, Waschen und Anziehen (=Aktivitäten des täglichen Lebens) zu erreichen. Mit dem Bobath-Konzept arbeiten Ergotherapeuten aber auch an der Stabilität des Rumpfes und der Grobmotorik (Überschneidung mit Physiotherapie).

    Ziele der Ergotherapie in diesem Bereich sind:

    Das Erreichen größtmöglicher Selbständigkeit im beruflichen, schulischen und häuslichen Alltag
    Erweiterung des gesamten Bewegungsausmaßes aller Gelenke (Primäre Aufgabe der Physiotherapie)
    Herstellung und Erprobung von Adaptationen, Hilfsmitteln und Schienen
    Einüben schmerzarmer und kompensatorischer Bewegungsabläufe
    Umtrainieren der Gebrauchshand
    Wohnraumadaption
    Inhalte der Ergotherapie sind:

    sensomotorisch-perzeptive Behandlungen
    motorisch-funktionelle Übungen (Überschneidung mit der Physiotherapie)
    psychisch-funktionelle Behandlungen
    Hirnleistungstraining/Neuropsychologische Behandlung
    Hausbesuche
    Sensorische Integrationstherapie
    ADS/ADHS-Behandlung
    ATL-Training: Anziehen − Essen − Haushalt − Körperhygiene usw.
    Stumpfabhärtung und Prothesentraining (Überschneidung mit der Physiotherapie)
    Schienenherstellung und deren Anpassung
    Hilfsmittelberatung, ggf. Hilfsmittelherstellung oder -adaptation
    Beratung und Training zum Gelenkschutz (Überschneidung mit der Physiotherapie)
    Narbenbehandlung (Überschneidung mit der Physiotherapie)
    Wohnraum- und Arbeitsplatzgestaltung / Adaption
    Belastungserprobungen in der Arbeitstherapie und Rehabilitationskliniken
    Geriatrie[Bearbeiten]
    → Hauptartikel: Geriatrie
    Ergotherapeutisch behandelt werden ältere Menschen mit akuten und chronischen Erkrankungen aus den Fachgebieten der Neurologie, Inneren Medizin, Orthopädie, Chirurgie und Psychiatrie, die aufgrund der oben genannten Störungsbilder und Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität) in Senioren- und Pflegeheimen leben.

    Ziele der Ergotherapie sind in diesem Bereich:

    Förderung und Stabilisierung von vorhandenen und verloren gegangenen geistigen, sozialen und körperlichen Fähigkeiten
    Vermeidung/Verminderung von Abhängigkeit und Isolation
    Selbständigkeit im Alltag
    Erweiterung und Erhaltung des Bewegungsausmaßes aller Gelenke (eigentlich eher Schwerpunkt der Physiotherapie, hier überschneiden sich allerdings die Felder)
    Verbesserung der Handlungs- und Bewegungsplanung und -durchführung
    Förderung der Wahrnehmung in allen Sinnesbereichen
    Nutzung vorhandener Kompetenzen
    Förderung und Stabilisierung von Gedächtnisleistungen, Aufmerksamkeit, Konzentration und Orientierung
    Verbesserung und Erhaltung von individuell bestimmter Lebensqualität
    Sturzprophylaxe
    Inhalte der Ergotherapie sind:

    Training der motorischen und sensorischen Fähigkeiten
    Training der Selbständigkeit im Alltag
    Versorgung mit Hilfsmitteln
    Training sozial-kommunikativer Fähigkeiten
    Psychiatrie[Bearbeiten]
    → Hauptartikel: Psychiatrie
    Ergotherapie in der Psychiatrie bietet Menschen aller Altersstufen − die zum Beispiel unter Suchterkrankungen, psychotischem Erleben, neurotischen oder psychosomatischen Störungen leiden − die Möglichkeit, ihre eigenen kreativen Potenziale (wieder-)zuentdecken und durch die Erkrankung verloren gegangene Fähigkeiten wiederzuerlangen. Zu den Krankheitsbildern, mit denen Ergotherapeuten in der Psychiatrie zu tun haben, gehören psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter, Angststörungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, Depressionen, Schizophrenien, Essstörungen, affektive Störungen, dementielle Syndrome, Störungen bei Alkohol-, Drogen- und Medikamentensucht oder das hirnorganische Psychosyndrom.

    Die grundsätzlichen Ziele der Ergotherapie in der Psychiatrie sind die Entwicklung, Verbesserung und der Erhalt von

    Psychischen Grundleistungsfunktionen wie Antrieb, Motivation, Belastbarkeit, Ausdauer, Flexibilität und Selbstständigkeit in der Tagesstrukturierung
    Körperwahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
    Situationsgerechtem Verhalten, sozioemotionalen Kompetenzen und Interaktionsfähigkeit
    Realitätsbezogenheit von Selbst- und Fremdwahrnehmung
    Psychischer Stabilität und Selbstvertrauen
    Eigenständiger Lebensführung und Grundarbeitsfähigkeit
    Therapiemethoden[Bearbeiten]
    Im Wesentlichen sind in der Ergotherapie drei Therapiemethoden von Bedeutung:

    Kompetenzzentrierte Methode[Bearbeiten]
    Einsatz ausgewählter handwerklicher Techniken
    Übungen aus dem lebenspraktischen und Freizeitbereich
    Erwerb verlorengegangener oder nicht vorhandener Fähigkeiten
    Training von Fertigkeiten
    Ausdruckzentrierte Methode[Bearbeiten]
    Verwendung von Therapiemitteln in kreativ-gestalterischer Form als Ausdrucksmittel, Mittel zur Darstellung, Kommunikationsmittel
    Themen frei und gefühlsbetont ermöglichen Personennähe
    Therapiemittel: Musik, Materialien
    Interaktionelle Methode[Bearbeiten]
    Gruppendynamischer Prozess (Auseinandersetzung in der Gruppe, Miteinander in der Gruppe)
    Die Teilnehmer können verschiedene Positionen innerhalb der Gruppe einnehmen
    Es ist jedoch schwierig, diese drei Behandlungsformen rigoros voneinander zu trennen, so dass oftmals eine Verknüpfung verschiedener Ansätze in die Behandlung einfließt. Die oben genannten Methoden mit ihren entsprechenden Medien führen dann zu folgenden Gruppenarbeiten im stationären Bereich.

    Gestaltungstherapie[Bearbeiten]
    → Hauptartikel: Gestaltungstherapie
    Die Gestaltungstherapie ist eine Gruppe, in der die ausdruckzentrierte Methode umgesetzt wird; der Patient soll nach seiner Vorstellung und seiner Empfindung ein vorgegebenes Thema zu Papier bringen. Im Anschluss wird das Bild jedes Patienten in der Gruppe präsentiert und vom Therapeuten mit den Patienten angesehen und vom Patienten selbst interpretiert. Der Therapeut soll sich jeder Deutung seinerseits enthalten und höchstens mit Fragen weitere Denkanstöße vermitteln.

    Mitarbeiterberatung und berufliches Coaching[Bearbeiten]
    Zunehmend wichtiger wird in der Ergotherapie die berufliche Integration und die dauerhafte Förderung beruflicher Fähigkeiten durch Prävention und Rehabilitation. Diese Aspekte waren in der veralteten Berufsbezeichnung Arbeits- und Beschäftigungstherapie bereits als Ziele der Ergotherapie ausdrücklich benannt und wurden im Laufe der Berufsentwicklung teilweise von anderen Berufsgruppen besetzt. Hierzu gehört neben dem beruflichen Training der Arbeitsfähigkeit (Stichwort – „First train than place“) eine Unterstützung des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz durch Employee Assistance Programme (EAP) (Stichwort – „First place than train“). Im Rahmen der Unterstützung finden unter anderem kompetenzzentrierte Methoden durch Medien wie Arbeiten am PC, Leittexte zur Textverarbeitung und Internetnutzung Anwendung.

    Ziel ist es, die berufliche Rehabilitation sowie die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz dauerhaft zu erhalten. Die externe Mitarbeiterberatung (EAP) ist ein präventives Behandlungsangebot für alle Mitarbeiter eines Unternehmens. Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge werden dabei Probleme der Arbeitsplatzbelastung, Stress, Burnout-Syndrom, familiäre Herausforderungen wie Erziehung der Kinder oder die Pflege von älteren Familienangehörigen angesprochen und lösungsorientiert bearbeitet, bevor sie zu erheblichen psychischen Belastungen und einer daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit führen. Im Fokus dieses Behandlungsansatzes steht das persönliche Gespräch mit einem qualifizierten Ergotherapeuten.

    Sensorische Integrationstherapie[Bearbeiten]
    → Hauptartikel: Sensorische Integration
    Die Sensorische Integrationstherapie gilt als ein wichtiger Therapieansatz der Ergotherapie. Sie wurde um 1976 durch die Psychologin und Ergotherapeutin Anna Jean Ayres entwickelt und dient zur Verbesserung der sensorischen Integration, also zur besseren Verarbeitung von Sinnesreizen im zentralen Nervensystem. Wesentliches Mittel in der Sensorischen Integrationstherapie ist das gezielte Setzen von Reizen durch den Therapeuten.

    Die Sensorische Integrationstherapie wird vor allem bei Kindern mit Entwicklungsverzögerungen und Aufmerksamkeitsstörungen eingesetzt, außerdem werden Störungen von Grob- und Feinmotorik, psychosomatische Probleme und Behinderungen mit der Sensorischen Integrationstherapie behandelt. Im Bereich Geriatrie hat sich die Ergotherapeutin Gudrun Schaade in den letzten Jahren zunehmend mit den Möglichkeiten und Grenzen der Sensorischen Integrationstherapie bei demenziell erkrankten Menschen auseinandergesetzt.

    Ausbildung[Bearbeiten]
    Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Ergotherapeuten erfolgt in Deutschland an einer von über 200 staatlich anerkannten Schulen für Ergotherapie, dauert in der Regel drei Jahre und schließt mit einem Examen ab. Das Examen zum staatlich geprüften Ergotherapeuten (innerhalb der EU geschützte Berufsbezeichnung) beinhaltet sowohl theoretische wie auch praktische Teile sowie ein Abschlussgespräch mit einer Prüfungskommission. Die Prüfung gilt nur dann als bestanden, wenn insgesamt die Endnote „ausreichend“ erreicht wurde.[8]

    Inhalte:

    Theoretischer und praktischer Unterricht

    Berufs-, Gesetzes-, Staatskunde
    Fachsprache, Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten
    Grundlagen der Ergotherapie
    Sprache und Schrifttum
    Motorisch-funktionelle, neurophysiologische, neuropsychologische und psychosoziale Behandlungsverfahren
    arbeitstherapeutische Verfahren
    Adaptierende Verfahren in der Ergotherapie
    Prävention und Rehabilitation
    Grundlagen der Gesundheitslehre und Hygiene
    Biologie, beschreibende und funktionelle Anatomie, Physiologie
    Allgemeine Krankheitslehre
    Spezielle Krankheitslehre einschließlich diagnostischer, therapeutischer, präventiver und rehabilitativer Maßnahmen sowie psychosozialer Aspekte
    Arzneimittellehre, Grundlagen der Arbeitsmedizin, Erste Hilfe
    Psychologie und Pädagogik, Heilpädagogik
    Medizinsoziologie und Gerontologie
    Handwerkliche und gestalterische Techniken mit verschiedenen Materialien
    Spiele, Hilfsmittel, Schienen und technische Medien
    Bewegungserziehung
    Praktische Ausbildung im

    psychosozialen (psychiatrisch/psychosomatischen)
    motorisch-funktionellen
    neurophysiologischen oder neuropsychologischen und im
    arbeitstherapeutischen
    Bereich

    Grundlage Grundlage für die Ausbildungsinhalte bildet in Deutschland die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeuten[9] vom 2. August 1999.[10]

    Studium[Bearbeiten]
    Mittlerweile werden auch Diplom-, Bachelor- und Master-Kurse mit Hochschulabschluss angeboten, die sich momentan inhaltlich aber sehr unterscheiden.

    1999 führte die Europa Fachhochschule Fresenius in Idstein als erste deutsche Hochschule den staatlich anerkannten Studiengang Diplom-Ergotherapeut/in (FH) ein. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung hat sie 2007 die Akkreditierung eines Bachelor-Studiums eingeleitet. Während des Studiums erlangt man durch das Bestehen der staatlichen Prüfung, die in den Studienverlauf integriert ist, den Berufsabschluss in Ergotherapie und darüber hinaus nach Erwerb von 240 ECTS-Punkten den akademischen Grad eines Bachelor of Science.

    In Österreich erfolgt im Zuge des Bologna-Prozesses die Umstellung von einem Diplom an einer Akademie auf eine Ausbildung an der Hochschule mit akademischem Abschluss. Im Wintersemester 2006 starteten an der FH Joanneum und im Wintersemester 2007 an der FH Wiener Neustadt, der FH Gesundheit Tirol, am FH Campus Wien[11] und der FH Salzburg die ersten Jahrgänge, die im Sommer 2009/2010 mit dem Bakkalaureat abgeschlossen haben. Einen Überblick über die derzeit in Deutschland angebotenen Studiengänge kann man auf der Seite des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten finden.[12]

    Literatur[Bearbeiten]
    Clara Scheepers, Ute Steding-Albrecht, Peter Jehn: Ergotherapie. Vom Behandeln zum Handeln. Lehrbuch für Ausbildung und Praxis. 3. Aufl. Thieme, Stuttgart 2007, ISBN 3-13-114343-6.
    Carola Habermann, Friederike Kolster: Ergotherapie im Arbeitsfeld Neurologie. Thieme, Stuttgart 2002, ISBN 3-13-125621-4.
    Beate Kubny-Lüke: Ergotherapie im Arbeitsfeld Psychiatrie. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-13-125572-3.
    Carola Habermann, Caren Wittmershaus: Ergotherapie im Arbeitsfeld Geriatrie. Thieme, Stuttgart 2005, ISBN 3-13-125581-1.
    Ulrike Marotzki, Kathrin Reichel: Psychiatrische Ergotherapie heute. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2006, ISBN 978-3-88414-412-1.
    Connie Koesling, Thomas Bollinger Herzka: Ergotherapie in der Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie, Thieme, 2008, ISBN 978-3-13-125611-9.
    Rosemary Hagedorn: Ergotherapie – Theorien und Modelle, dt. Übersetzung von B. & J. Dehnhardt, Thieme, 2000, ISBN 3-13-125651-6.
    Christina Jerosch-Herold et al.: Konzeptionelle Modelle für die ergotherapeutische Praxis, Springer, 1999, ISBN 3-540-65221-3.
    Maria Miesen: Berufsprofil Ergotherapie 2004, Hrsg. DVE, Schulz-Kirchner Verlag, 2004, ISBN 978-3-8248-0466-5.
    Manfred Marquardt: Geschichte der Ergotherapie. 1954 bis 2004, Hrsg. DVE, Schulz-Kirchner Verlag, 2004, ISBN 978-3-8248-0465-8.
    Thomas A. Frank: Wirksamkeit der Ergotherapie bei Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren, Forum Praxis Pädiater, Herbst 2011, S. 19 ff.
    Zeitschriften

    Ergotherapie & Rehabilitation. Fachzeitschrift des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten DVE. Erscheint 12× jährlich. Schulz-Kirchner Verlag, Idstein.
    ergopraxis. Fachzeitschrift für Ergotherapie. erscheint 10× jährlich. Thieme Verlag, Stuttgart.
    ergoscience. Wissenschaftliche Fachzeitschrift. Erscheint 4× jährlich. Bis 2010: Thieme Verlag, Stuttgart; seit 2011 Schulz-Kirchner Verlag, Idstein.
    praxis ergotherapie. Fachzeitschrift für Beschäftigungs- und Arbeitstherapie. erscheint 6× jährlich. Verlag modernes lernen, Dortmund.
    Ergotherapie – Zeitschrift für angewandte Wissenschaft. Wissenschafts-Special der Praxis Ergotherapie, erscheint 2× jährlich. Verlag modernes lernen, Dortmund.
    Englischsprachige Literatur

    Gary Kielhofner: Conceptual Foundations of Occupational Therapy, 3. edition, F.A. Davis Company, 2004, ISBN 0-8036-1137-4.
    Gary Kielhofner: Model Of Human Occupation: Theory and Application, 4. edition, Lippincott Williams & Wilkins, 2008, ISBN 0-7817-6996-5.
    Elizabeth Townsend (ed.): Enabling Occupation: An Occupational Therapy Perspective, Canadian Association of Occupational Therapists, 2002, ISBN 1-895437-58-X.
    Elizabeth Townsend, Helene Polatajko: Enabling Occupation II: Advancing an Occupational Therapy Vision for Health, Well-being & Justice through Occupation. Canadian Association of Occupational Therapists, 2007, ISBN 978-1-895437-76-8.
    Weblinks[Bearbeiten]
    Links zum Thema Ergotherapie bei DMOZ
    Arbeitsagentur: Ausführliche Beschreibung des Berufsbildes Ergotherapeut inkl. Stellenanzeigen
    Bundesverband deutscher Ergotherapeuten Ausführliche Informationen zu Ausbildung und Weiterbildung
    Verzeichnis deutscher Ergotherapie-Schulen inkl. Angaben zu Ausbildungsbeginn und Ausbildungskosten
    Einzelnachweise[Bearbeiten]
    Hochspringen ↑ Definition Ergotherapie auf dve.info; abgerufen am 30. Oktober 2010
    Hochspringen ↑ §1 Gesetz über den Beruf der Ergotherapeutin und des Ergotherapeuten
    Hochspringen ↑ Berufsprofil Ergotherapie 2004. Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V. (Hrsg.), Idstein 2004, S. 104
    Hochspringen ↑ Gary Kielhofner: Conceptual Foundations of Occupational Therapy, 3. edition, F.A. Davis Company, 2004
    Hochspringen ↑ Manfred Marquardt: Geschichte der Ergotherapie. 1954 bis 2004, Hrsg. DVE, Schulz-Kirchner Verlag, 2004
    Hochspringen ↑ Hogeschool Zuyd, „Kerndokument des Berufsprofils der Ergotherapie“, Heerlen 1998
    Hochspringen ↑ MMW-Fortschr.Med. Nr. 9/2010 (152 Jg.), S. 8
    Hochspringen ↑ Ergotherapie-Ausbildung.de: Informationen zur Ergotherapie-Ausbildung in Deutschland
    Hochspringen ↑ ErgThAPrV
    Hochspringen ↑ Ergotherapeuten-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (ErgThAPrV) vom 2. August 1999
    Hochspringen ↑ Fachhochschulen.at: FH Wien – Studiengang Ergotherapie – FH Campus Wien
    Hochspringen ↑ https://www.dve.info/ausbildung/et-studiengaenge.html

    qUELLE: Wikipedia

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