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    Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
    Memantine und komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS): Behandlungseffekte und kortikale Reorganisation

    Memantine and Complex Regional Pain Syndrome (CRPS): Effects of Treatment and Cortical Reorganisation
    N. Sinis1 , N. Birbaumer2 , 4 , A. Schwarz2 , S. Gustin2 , K. Unertl3 , H.-E. Schaller1 , M. Haerle1

    1.Klinik für Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie, BG-Unfallklinik, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
    2.Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
    3.Klinik für Anästhesiologie und Transfusionsmedizin, Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
    4.Center of Cognitive Neuroscience, University of Trento, Italy

    Zusammenfassung

    Hintergrund:

    An der Entwicklung und Aufrechterhaltung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) sind zentralnervöse Faktoren beteiligt. Das Wissen um diese Beteiligung des ZNS fordert die Anwendung von zentral wirksamen Medikamenten zur Behandlung. Aus Tierstudien ist bekannt, dass im Rahmen von neuropathischen Schmerzerkrankungen der N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptor verstärkt im zentralen Nervensystem expremiert wird.

    Zielsetzung:
    Das Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen dem NMDA-Rezeptorsystem und dem Krankheitsbild des CRPS zu demonstrieren.

    Methoden:

    Drei Patienten, die an einem CRPS der oberen Extremität litten, wurden mit dem oral verfügbaren NMDA-Rezeptorantagonisten Memantine für acht Wochen behandelt. Die Schmerzen wurden auf einer elfstufigen visuellen Analogskala gemessen. Hierbei wurde zwischen Ruhe- und Belastungsschmerz (nach fünfmaligem Faustschluss) differenziert. Weiterhin wurden Funktionseinschränkungen der Langfinger und des Handgelenks dokumentiert. Hiefür wurden der Fingernagel-Tisch-Abstand (FNTA in cm), der Fingerkuppen-Hohlhand-Abstand (FKHA in cm) und die Handgelenkbeweglichkeit (Neutral-Null-Methode, Heben und Senken) gemessen. Um die Kraftentwicklung zu beurteilen, wurden die Patienten an einem Jamar-Dynamometer und an einem Pinchmeter gemessen. Die kortikalen Vorgänge wurden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) und Magnetenzephalographie (MEG) gemessen.

    Ergebnisse:

    Sechs Monate nach Behandlung mit Memantine lag bei keinem der drei Patienten ein Ruheschmerz vor. Weiterhin zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Langfingerbeweglichkeit mit freiem Faustschluss und einem FNTA von 0 cm bei den Patienten 1 und 3. Hierzu kam auch eine Verbesserung der Handgelenkbeweglichkeit. Ebenso kam es im Verlauf zu einer deutlichen Steigerung der Kraft, gemessen mit dem Jamar-Dynamometer. Zusätzlich zu dieser deutlichen Befundverbesserung bezüglich Schmerzen und Funktion, ließ sich bei allen Patienten eine Abnahme der Schwellung an den betroffenen Extremitäten zeigen sowie ein Rückgang der Dystrophie. Mit dem fMRT und dem MEG konnte eine kortikale Reorganisation unterschiedlichen Ausmaßes gezeigt werden. Erstaunlicherweise zeigten sich diese Veränderungen nach achtwöchiger Behandlung mit Memantine rückläufig, auf ein Niveau, das der nicht betroffenen Hemisphäre entspricht.

    Schlussfolgerung:

    Diese ersten Ergebnisse weisen auf die Relevanz der zentral-nervösen Veränderungen im Rahmen des CRPS hin und unterstützen die Anwendung von NMDA-Rezeptorantagonisten bei der Behandlung.

    (Quelle: Handchir Mikrochir plast Chir 2006; 38(3): 164-171 DOI: 10.1055/s-2006-924180; Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York; Handchirurgie · Mikrochirurgie · Plastische Chirurgie)

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