Verhindert Vitamin C die Ausbildung eines CRPS?

Dieses Thema enthält 0 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Administrator vor 4 Jahre.

Ansicht von 1 Beitrag (von insgesamt 1)
  • Autor
    Beiträge
  • #678

    Administrator
    Keymaster

    Komplex-regionales Schmerzsyndrom (CRPS, M. Sudeck) – Verhindert Vitamin C die Ausbildung eines CRPS nach Frakturen des distalen Radius?

    Referenzen

    Inhaltsübersicht
    Einleitung
    Material und Methoden
    Ergebnisse
    Kommentar
    Literatur
    Can Vitamin C Prevent Complex Regional Pain Syndrome in Patients with Wrist Fractures? A Randomized, Controlled, Multicenter Dose-Response Study. Zollinger PE, Tuinebreijer WE, Breederveld RS, Kreis RW. J Bone Joint Surg Am. 2007;89:1424-31

    Einleitung

    Das Complex Regional Pain Syndrome (CRPS) früher bekannt als Reflexdystrophie ähnelt pathophysiologisch einem „systemic inflammatory response syndrome“. Der klinische Fokus liegt in der Prävention und der symptomatischen Therapie. Es können Parallelen gezogen werden zwischen einer Verbrennungsverletzung, die eine Kaskade inflammatorischer Mediatoren aktiviert, mit konsekutiver massiver Entzündungsreaktion und Mikroangiopathie. Die für Verbrennungspatienten und CRPS-Patienten angenommene vaskuläre Leckage ist durch Sauerstoffradikale bedingt. Diese können durch Vitamin C wirksam behandelt werden. Es liegen gesicherte Kenntnisse vor, dass Vitamin C bei Verbrennungspatienten die Überlebensrate verbessert und die respiratorische Dysfunktion sowie Ödembildung reduziert. In randomisierten Studien konnte die Wirkung mit einer Dosis von 500 mg / d bei CRPS-Patienten verifiziert werden. Das Ziel dieser Studie war es, durch eine Dosis-Wirkungsanalyse bei Patienten mit distaler Radiusfraktur die bisher gewonnenen Erkenntnisse zu untermauern und eine Empfehlung zur zukünftigen präventiven Vitamin C-Therapie zu erarbeiten.

    #
    Material und Methoden

    Im Rahmen einer prospektiv randomisierten Doppelblindstudie wurden insgesamt 2 137 Patienten mit distaler Radiusfraktur in 3 Zentren in den Niederlanden innerhalb von 3 Jahren aufgenommen. Davon willigten 416 Patienten mit 427 Frakturen (54 % extraartikulär; 46 % intraartikulär) in die Studie ein und wurden mit Vitamin C oder Placebo vom Tag der Fraktur an für weitere 50 Tage behandelt. Es wurden 3 verschiedene Dosierungen von Vitamin C mit 200 mg, 500 mg oder 1500 mg / d gewählt. Die Patienten wurden regelmäßig während der ersten 12 posttraumatischen Wochen klinisch evaluiert, nach 1 Jahr erfolgte eine telefonische Befragung. Die Diagnose CRPS wurde gestellt, wenn mindestens 4 von 5 CRPS-typischen Symptomen wie [1] unverhältnismäßiger Schmerz, [2] Veränderungen der Hautfarbe, [3] Ödem, [4] Veränderung der Hauttemperatur, [5] motorische Störungen unabhängig von der Frakturtherapie vorlagen.

    #
    Ergebnisse

    Von den insgesamt 427 Frakturen wurden n = 379 (89 %) konservativ und n = 48 (11 %) operativ behandelt. Die verschiedenen Behandlungsgruppen unterschieden sich nicht signifikant hinsichtlich der Schwere der Fraktur, des Alters und des Geschlechts. In der Plazebogruppe war die CRPS-Prävalenz 10,1 % (10 von 99), in der mit Vitamin C behandelten Gruppe mit 2,4 % (8 von 328) signifikant (p = 0,002) geringer, bei einem Follow-up von 100 %. Alle CRPS-Patienten waren weiblich. Die CRPS-Genese war jedoch unabhängig von der Frakturschwere und der Form der Therapie. Die Diagnose wurde im Mittel nach 76 Tagen (30 bis 166 Tage) gestellt. Die höheren Dosierungen von Vitamin C mit 500 mg und 1500 mg führten zu einer effektiveren Reduktion der CRPS-Prävalenz als die niedrigeren Dosierungen. Kein Unterschied bestand jedoch zwischen der 500 mg und der 1500 mg Dosierung. Die Autoren empfehlen somit die Gabe von 500 mg Vitamin C für insgesamt 50 Tage nach einer Fraktur des distalen Radius zur Prävention eines CRPS.

    #
    Kommentar

    Tabelle anzeigen / Show table
    #
    Literatur

    01 Stanton-Hicks M . Jänig W . Hassenbusch S . Haddox JD . Boas R . Wilson P . Reflex sympathetic dystrophy: changing concepts and taxonomy. Pain. 1995; 63 127-133
    02 Bruehl S . Harden RN . Galer BS . Rudin N . Bhugra MK . Stanton-Hicks M . External validation of IASP diagnostic criteria for Complex Regional Pain Syndrome and proposed research diagnostic criteria. International Association for the Study of Pain. Pain. 1999; 81 147-154
    03 Schürmann M . Zasperl J . Löhr P . Wizgall I . Tutic M . Manthey N . Steinborn M . Gradl G . Imaging in early posttraumatic complex regional pain syndrome: a comparison of diagnostic methods. Clin J Pain. 2007; 23 1966-1971
    04 Veldman PH . Goris RJA . Multiple reflex sympathetic dystrophy. Which patients are at risk for developing a recurrence of reflex sympathetic dystrophy in the same or another limb. Pain. 1996; 64 463-466
    05 Birklein F . Riedl B . Sieweke N . Weber M . Neundorfer B . Neurological findings in complex regional pain syndromes-analysis of 145 cases. Acta Neurol Scand. 2000; 101 262-269
    06 Sudeck P . Die sogenannte akute Knochenatrophie als Entzündungsvorgang. Chirurg. 1942; 14 449-458
    #
    PD Dr. med. Georg Gradl

    Chirurgische Klinik und Poliklinik der Universität Rostock Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

    Schillingallee 35

    18055 Rostock

    Quelle:https: //www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-2007-991591

    • Dieses Thema wurde geändert vor 4 Jahre von  Administrator.
    • Dieses Thema wurde geändert vor 3 Jahre, 10 Monate von  Administrator.
  • Autor
    Beiträge
  • #678

    Administrator
    Keymaster
    • Offline

    Komplex-regionales Schmerzsyndrom (CRPS, M. Sudeck) – Verhindert Vitamin C die Ausbildung eines CRPS nach Frakturen des distalen Radius?

    Referenzen

    Inhaltsübersicht
    Einleitung
    Material und Methoden
    Ergebnisse
    Kommentar
    Literatur
    Can Vitamin C Prevent Complex Regional Pain Syndrome in Patients with Wrist Fractures? A Randomized, Controlled, Multicenter Dose-Response Study. Zollinger PE, Tuinebreijer WE, Breederveld RS, Kreis RW. J Bone Joint Surg Am. 2007;89:1424-31

    Einleitung

    Das Complex Regional Pain Syndrome (CRPS) früher bekannt als Reflexdystrophie ähnelt pathophysiologisch einem „systemic inflammatory response syndrome“. Der klinische Fokus liegt in der Prävention und der symptomatischen Therapie. Es können Parallelen gezogen werden zwischen einer Verbrennungsverletzung, die eine Kaskade inflammatorischer Mediatoren aktiviert, mit konsekutiver massiver Entzündungsreaktion und Mikroangiopathie. Die für Verbrennungspatienten und CRPS-Patienten angenommene vaskuläre Leckage ist durch Sauerstoffradikale bedingt. Diese können durch Vitamin C wirksam behandelt werden. Es liegen gesicherte Kenntnisse vor, dass Vitamin C bei Verbrennungspatienten die Überlebensrate verbessert und die respiratorische Dysfunktion sowie Ödembildung reduziert. In randomisierten Studien konnte die Wirkung mit einer Dosis von 500 mg / d bei CRPS-Patienten verifiziert werden. Das Ziel dieser Studie war es, durch eine Dosis-Wirkungsanalyse bei Patienten mit distaler Radiusfraktur die bisher gewonnenen Erkenntnisse zu untermauern und eine Empfehlung zur zukünftigen präventiven Vitamin C-Therapie zu erarbeiten.

    #
    Material und Methoden

    Im Rahmen einer prospektiv randomisierten Doppelblindstudie wurden insgesamt 2 137 Patienten mit distaler Radiusfraktur in 3 Zentren in den Niederlanden innerhalb von 3 Jahren aufgenommen. Davon willigten 416 Patienten mit 427 Frakturen (54 % extraartikulär; 46 % intraartikulär) in die Studie ein und wurden mit Vitamin C oder Placebo vom Tag der Fraktur an für weitere 50 Tage behandelt. Es wurden 3 verschiedene Dosierungen von Vitamin C mit 200 mg, 500 mg oder 1500 mg / d gewählt. Die Patienten wurden regelmäßig während der ersten 12 posttraumatischen Wochen klinisch evaluiert, nach 1 Jahr erfolgte eine telefonische Befragung. Die Diagnose CRPS wurde gestellt, wenn mindestens 4 von 5 CRPS-typischen Symptomen wie [1] unverhältnismäßiger Schmerz, [2] Veränderungen der Hautfarbe, [3] Ödem, [4] Veränderung der Hauttemperatur, [5] motorische Störungen unabhängig von der Frakturtherapie vorlagen.

    #
    Ergebnisse

    Von den insgesamt 427 Frakturen wurden n = 379 (89 %) konservativ und n = 48 (11 %) operativ behandelt. Die verschiedenen Behandlungsgruppen unterschieden sich nicht signifikant hinsichtlich der Schwere der Fraktur, des Alters und des Geschlechts. In der Plazebogruppe war die CRPS-Prävalenz 10,1 % (10 von 99), in der mit Vitamin C behandelten Gruppe mit 2,4 % (8 von 328) signifikant (p = 0,002) geringer, bei einem Follow-up von 100 %. Alle CRPS-Patienten waren weiblich. Die CRPS-Genese war jedoch unabhängig von der Frakturschwere und der Form der Therapie. Die Diagnose wurde im Mittel nach 76 Tagen (30 bis 166 Tage) gestellt. Die höheren Dosierungen von Vitamin C mit 500 mg und 1500 mg führten zu einer effektiveren Reduktion der CRPS-Prävalenz als die niedrigeren Dosierungen. Kein Unterschied bestand jedoch zwischen der 500 mg und der 1500 mg Dosierung. Die Autoren empfehlen somit die Gabe von 500 mg Vitamin C für insgesamt 50 Tage nach einer Fraktur des distalen Radius zur Prävention eines CRPS.

    #
    Kommentar

    Tabelle anzeigen / Show table
    #
    Literatur

    01 Stanton-Hicks M . Jänig W . Hassenbusch S . Haddox JD . Boas R . Wilson P . Reflex sympathetic dystrophy: changing concepts and taxonomy. Pain. 1995; 63 127-133
    02 Bruehl S . Harden RN . Galer BS . Rudin N . Bhugra MK . Stanton-Hicks M . External validation of IASP diagnostic criteria for Complex Regional Pain Syndrome and proposed research diagnostic criteria. International Association for the Study of Pain. Pain. 1999; 81 147-154
    03 Schürmann M . Zasperl J . Löhr P . Wizgall I . Tutic M . Manthey N . Steinborn M . Gradl G . Imaging in early posttraumatic complex regional pain syndrome: a comparison of diagnostic methods. Clin J Pain. 2007; 23 1966-1971
    04 Veldman PH . Goris RJA . Multiple reflex sympathetic dystrophy. Which patients are at risk for developing a recurrence of reflex sympathetic dystrophy in the same or another limb. Pain. 1996; 64 463-466
    05 Birklein F . Riedl B . Sieweke N . Weber M . Neundorfer B . Neurological findings in complex regional pain syndromes-analysis of 145 cases. Acta Neurol Scand. 2000; 101 262-269
    06 Sudeck P . Die sogenannte akute Knochenatrophie als Entzündungsvorgang. Chirurg. 1942; 14 449-458
    #
    PD Dr. med. Georg Gradl

    Chirurgische Klinik und Poliklinik der Universität Rostock Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

    Schillingallee 35

    18055 Rostock

    Quelle:https: //www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-2007-991591

    • Dieses Thema wurde geändert vor 4 Jahre von  Administrator.
    • Dieses Thema wurde geändert vor 3 Jahre, 10 Monate von  Administrator.
Ansicht von 1 Beitrag (von insgesamt 1)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.

Deine Spende hilft helfen! Wenn jeder nur einen Euro gibt, können wir die Bekanntheit von CRPS steigern und für Forschung sorgen.
Bitte spenden Sie jetzt!